PRESSESTIMMEN


Mainzer Allgemeine Zeitung (10.12.2014)

Weihnachtsoratorium mit Singakademie und „voces cantantes“ in der Stephanskirche

Von Moritz Klenk

MAINZ - Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist so fest mit der Adventszeit verbunden, dass ein Dezember ohne eine Aufführung des Werkes kaum vorstellbar ist. Glücklicherweise führte die Mainzer Singakademie nun in St. Stephan die ersten drei Kantaten des Oratoriums auf.

Zu Beginn wurde eine kleine Programmänderung angekündigt, denn Solist Thomas DeVries (Bass) war krankheitsbedingt ausgefallen. Kurzfristig eingesprungen war Henryk Böhm, der sich aber ungeachtet dessen als hervorragende Bereicherung präsentierte. In manch kolorativen Passagen der Arien fehlte ihm gelegentlich ein wenig die Flexibilität, sonst überzeugte er aber mit durchdringender Stimme und klarer Artikulation. Daran fehlte es leider Altistin Simone Süß ein bisschen, die mit ihren teils dumpfen Silben nur schwer zu verstehen war, dafür aber mit schönen Koloraturen punktete. Ebenso Tenor Juan Carlos Falcón, der auch als rezitierender „Evangelist“ mit klarer und dramatischer Stimme artikulierte. Lediglich in der Höhe wirkte seine Stimme ab und an ein wenig gepresst. Mit einem glockenhellen Sopran überzeugte hingegen Ina Stachelhaus, die in der Höhe eine hervorragende Textverständlichkeit zeigte. Ihr einziges Manko war die Kirchenakustik, wodurch ihr Volumen teilweise etwas gedämpft wurde.

Mit dem Problem der Akustik hatte auch das Mainzer Akademieorchester gelegentlich zu kämpfen, besonders die Streicher gingen in den Tuttipassagen oftmals unter. Intonation und Gestaltung waren hingegen einwandfrei, und besonders die Bläser brillierten mit schönem, weichem Klang.

Der Chor „voces cantantes“ zeigte seine ganze musikalische Bandbreite mit lyrischem Piano bis zu energisch, fulminanten Steigerungen und legte eine offensichtliche Freude an den Tag. Dass Chor und Orchester ein versiertes, eingespieltes Team sind, merkte man hier deutlich.


Mainzer Allgemeine Zeitung (17.9.2014)

CHORKONZERT Voces cantantes mit "Simply Mendelssohn" in der Kirche St. Ignaz

Von Michaela Paefgen-Laß

MAINZ - Gewaltig verkündet der Cantus "Harre auf Gott" seine profunde Gläubigkeit. Eindringlich lassen die Sängerinnen und Sänger von Voces cantantes unter der Leitung von Alexander J. Süß die Worte aus Psalm 43 "Richte mich Gott" den Kirchenraum von St. Ignaz durchdringen. "Simply Mendelssohn" hatte das Programmheft angekündigt. Ein bescheidenes Understatement, wie sich schon nach den ersten Tönen des gut einstündigen Konzerts beweisen sollte.

Sich alle Möglichkeiten zur Protzerei versagen und einfachste Mittel zu setzen, ist manchmal schwer. Bei der kleinen "Werkschau" Mendelssohn’scher geistlicher Chorwerke trafen sich am Sonntagabend mit Komponist und Chor zwei verständige Partner.

Nicht um den Effekt und die Textmalerei ging es Felix Mendelssohn Bartholdy, als er den Psalm 1844 ins Zentrum seiner Drei Psalmen, op.78 setzte, sondern um Gehalt und Aussage. Die Voces cantantes folgte dieser Vorgabe in größtmöglicher Nähe, sich jede Allüre versagend, stimmlich so klar wie beweglich. "Simple", und hier stimmte der Konzerttitel wieder, lässt sich also auch als "Inbegriff" deuten.

Konzentriert und akzentuiert deklamierte der achtstimmige Chor in Psalm 2 "Warum toben die Heiden", die rasche Wortfolge "Heische von mir", um dann in den innigen Ratschlag "So lasst euch nun weisen" einzumünden. Gestochen scharf intonierten Chor und Solotenor die letzten Worte Jesu am Kreuz "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" aus Psalm 22. Die differenzierten dynamischen Vorgaben hatten die Ausführenden auch hier durchweg unter Kontrolle.

Seit knapp elf Jahren leitet Alexander J. Süß den 1985 gegründeten Konzertchor. Dass er besonderen Wert auf die stimmliche Ausbildung seiner Chormitglieder legt, ist in den Konzerten deutlich hörbar. Außerdem standen das Kyrie in c-Moll für zwei vierstimmige Chöre sowie das achtstimmige "Mitten wir im Leben sind", op. 23, Nr.3 auf dem Programm. Ein rares Konzerterlebnis war das abschließende 16-stimmige "Hora est", ein Geburtstagsgeschenk des erst 19-jährigen Komponisten an seine Schwester.

"Standing ovations" und zwei Zugaben lohnten die Arbeit des Chores am ganz und gar nicht einfachen Mendelssohn.


Mainzer Allgemeine Zeitung (18.6.2014)

Mainzer Chorgruppe "voces cantantes" liefert beim Kirchenkonzert in Budenheim wahren Hörgenuss

Von Nadine Herd

BUDENHEIM - Einen Hörgenuss der Extraklasse konnten die Besucher des Konzerts "Simply Mendelssohn Bartholdy" in der St. Pankratius Kirche in Budenheim genießen. Der Chor "voces cantantes" aus Mainz unter der Leitung von Alexander J. Süß füllte mit seinem Gesang das gesamte Kirchenschiff aus und entführte die Musikbegeisterten mit seinem fulminanten Sound in die Welt der geistlichen Chorwerke des bekannten Komponisten.

Gesang beeindruckt

Ganz ohne die Hilfe von Lautsprechern schafften es die 24 Sänger, die christliche Musik in einer wunderbaren Intensität zu präsentieren. Man konnte den Gesang – wohl auch dank der hervorragenden Akustik der Kirche – nicht einfach nur hören, sondern vor allem auch körperlich spüren. Ein Erlebnis, das viele der Besucher mehr als nachhaltig beeindruckte.

Los ging es mit dem "Kyrie in C-Moll", welches für zwei vierstimmige Chöre geschrieben, und so von dem begnadeten Chor stimmgewaltig umgesetzt wurde. Danach standen "Drei Psalmen" (Opus 78) auf dem Konzertprogramm. Achtstimmig setzten die Sänger hier neue Maßstäbe. Mit den geistlichen Liedern "Mitten wir im Leben sind" – ebenfalls achtstimmig von den "voces cantantes" präsentiert – und dem nur selten in Kirche oder Konzert zu hörenden "Hora est", welches für vier vierstimmige Chöre, sprich 16-stimmig konzipiert wurde, setzten die Sänger ihrem Konzert schließlich die Krone auf.

Klar, dass es für diese hervorragende Leistung stehende Ovationen und lang anhaltenden Applaus vom Publikum gab. Auch ließen die Konzertbesucher die "voces cantantes" nicht ziehen ohne eine Zugabe, die der Chor natürlich gerne gab und somit den Musikgenuss noch etwas verlängerte.

Der Konzertchor "voces cantantes" wurde 1985 gegründet und wird seit 2003 von Alexander J. Süß, dem Musikdirektor der Mainzer Singakademie und Dirigent der Prager Philharmoniker, geleitet. Süß hat bis auf wenige Ausnahmen alle Sänger des Chores selbst gesanglich ausgebildet. Das Repertoire des Chores umfasst A-Cappella-Werke aus fünf Jahrhunderten. Auch konnten die "voces cantantes" bereits mehrere nationale und internationale Chorwettbewerbe für sich entscheiden. Seit 2007 ist der Chor Teil der Mainzer Singakademie und verwöhnt sein musikaffines Publikum mit seinen zahlreichen Konzerten, die übers Jahr verteilt gegeben werden.


Wormser Zeitung (17.6.2014)

Ensemble "Voces Cantantes" aus Mainz begeistert in Bechtheimer Basilika

BECHTHEIM - (red). "Simply Mendelssohn Bartholdy" war das Konzert in der Bechtheimer Basilika überschrieben. Der etwas puristische Titel allerdings, den das Vokalensemble "Voces Cantantes" aus Mainz gewählt hatte, mag irreführend gewesen sein, denn die 25 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Musikdirektor Alexander J. Süß boten höchst facettenreich und vielfältig einen Einblick in das Schaffen des früh verstorbenen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy.

Sichere und klare Sprache

Schon im Kyrie c-Moll, das der 14-jährige Mendelssohn komponierte, ließ Alexander J. Süß die Qualitäten seines Ensembles aufleuchten: hervorragende intonatorische Sicherheit, Klarheit der Sprache und eine dynamische Gestaltungsfähigkeit, die die musikalische Sprache des Komponisten bestens zum Ausdruck bringt. Dies waren auch die imposanten Grundlagen für die Interpretation der Psalmenvertonung aus op. 78, die für achtstimmigen gemischten Chor gesetzt sind.

Süß versteht die Musik hörbar als kleine dramatische Szenen, die den Text etwa in Psalm 2 "Warum toben die Heiden" in intensiven Farben illustrieren. Dabei kann sich Süß auf die stimmliche Präsenz seiner Sänger bestens verlassen, deren individuelle Ausbildung in einem ausgeglichenen, aber vielfältigen Gesamtklang ebenso zur Geltung kommt wie in solistischen Passagen (Psalm 22: Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?).

Dass das Vokalensemble, das unter dem Dach der Mainzer Singakademie auftritt, dabei auf einen außergewöhnlichen Männerchor zurückgreifen kann, wurde in dem äußerst selten aufgeführten "Hora est" hörbar. Mendelssohn hat diese Komposition für vier vierstimmige Chöre geschrieben und den Männerstimmen eine besondere Rolle zugewiesen, eröffnen sie doch mit dem immer wieder insistierenden "Hora est" (Dies ist die Stunde) die Komposition. Süß ist dabei nicht der Interpret mit einer Neigung zum Holzschnitt, vielmehr arbeitet er zum Teil filigran die Strukturen von Mendelssohn Bartholdys Musik heraus, genießt die Momente der fast ätherischen Klänge ebenso wie das Spiel mit zupackenden Tempi und manchmal nahezu zeitlos verharrenden Passagen.

Das Publikum, das nicht sehr zahlreich der Einladung gefolgt war, war begeistert und bestand auf eine Zugabe, die mit dem 100. Psalm erfolgte. Den "Voces Cantantes" jedenfalls war es gelungen, neue Freunde zu gewinnen – für sich selbst und die Musik des großen Felix Mendelssohn Bartholdy.


Mainzer Allgemeine Zeitung (8.4.2014)

Inbrünstiges Halleluja

CHORMUSIK Mainzer Singakademie präsentiert Händels „Messias“ mit beachtlicher Klangfülle

Von Manuel Wenda

MAINZ - Bereits 1831 wurde die Mainzer Singakademie gegründet, über die Jahre entwickelte sie sich zum größten nicht konfessionell gebundenen Chor der Stadt. Ihr Herzstück ist der gemischte Chor „cantare mainz“, der aus 80 Sängerinnen und Sängern besteht. Gemeinsam mit dem „Mainzer Akademieorchester“ brachten sie nun unter ihrem Dirigenten und Leiter Alexander J. Süß ein kolossales Werk, nämlich Georg Friedrich Händels „Messias“ in St. Bonifaz zur Aufführung. Die Kirche zwischen Hauptbahnhof und Neustadt bietet immer wieder zahlreiche an- und aufregende Musikerlebnisse, und auch Händels 1742 in Dublin uraufgeführtes Werk wurde in ihr zum Erfolg.

Sanft und antreibend

Getragen geriet der Einstieg, langsam entspann sich die Handlung. Das Orchester spielte sehr sanft und doch gleichzeitig antreibend, als es die von Katharina Müller überaus versiert vorgetragene Alt-Arie „Doch wer wird ertragen den Tag seiner Ankunft“ begleitete. Im folgenden verheißungsvollen „Und er wird reinigen“ entfalteten „cantare mainz“ und das „MAO“ dann eine beachtliche Klangfülle. Der gebürtige Mainzer Alexander J. Süß wurde zunächst in seiner Heimatstadt ausgebildet, um seine Studien schließlich bei Größen wie Helmuth Rilling und Sylvain Cambreling zu vertiefen. Er ist ein sehr umtriebiger Künstler, so leitet er beispielsweise das ... Ensemble „voces cantantes“. Seit 2008 ist er dazu noch ständiger Dirigent der Prager Philharmoniker.

Beachtliches geleistet

Auffallend war, wie respektvoll Süß mit allen an der Darbietung beteiligten Personen umging. Am Ende würdigte er jeden einzelnen Orchestermusiker und überließ zeitweise dem Solistenquartett die Bühne, um den Beifall entgegenzunehmen. Es hatte zuvor allerdings auch Beachtliches geleistet. Bedauerlicherweise war der Bass Thomas de Vries erkrankt. Für ihn war Kai Uwe Schöler gekommen. Dass er kurzfristig eingesprungen war, fiel nicht ansatzweise auf. Stimmgewaltig gestaltete er seine Partien, besonders überwältigend geriet die Arie „Das Volk, das da wandelt im Dunkel“. Auch die feste und klare Tenorstimme Juan Carlos Falcóns in „Du zerschlägst sie mit dem eisernen Zepter“ verfehlte ihre Wirkung nicht. Tänzerisch und schillernd spielte das „MAO“ die Pifa, und so flossen noch bukolische Impressionen ein. Chor und Orchester hatten sich offenbar besonders auf das „Halleluja“ gefreut, es fiel inbrünstig aus. Den dritten und kürzesten Teil des „Messias“ eröffnete die Sopranistin Ina Stachelhaus, die die Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ aufs Schönste interpretierte. Sehr konzentriert verfolgten die Zuhörer die zweieinhalbstündige Aufführung, am Ende folgten stehende Ovationen.


Mainzer Allgemeine Zeitung (10.12.2013)

Lob, Preis und Ehr’

ST. STEPHAN Singakademie mit Voces cantantes

MAINZ - (nwz). Sich bei bewegendem Gesang mit und für die Seele auf die Weihnachtszeit einzustimmen, dazu hatte die Mainzer Singakademie mit dem Vokalensemble voces cantantes (Leitung: Alexander J. Süß) in St. Stephan eingeladen. Monsignore Klaus Mayer las dazu aus der biblischen Weihnachtsgeschichte.

Das beeindruckende Konzert in der vollen Kirche sprach bewusst auch Familien an, die Lesung und die Bachschen Weihnachtschoräle zu genießen und in der Adventszeit zur Ruhe zu kommen.

Zehnjähriges Jubiläum

Chormusik mit faszinierenden Interpretation zu schaffen und dabei die Ideen hörbar zu machen, die den Werken zugrunde liegen, ist der Anspruch von Musikdirektor Süß, der sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Überzeugend und mit Leidenschaft wurden die anspruchsvollen Werke von den 23 Mitwirkenden der voces vorgetragen, die eine individuelle stimmliche Ausbildung genießen. Zwei achtstimmige Motetten umrahmten die Choräle und Geschichten. Eine beeindruckende Klangfülle bot sich schon zum Einstieg beim Werk „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229), aus dem eine tiefe Gewissheit im Glauben sprach und dessen Darbietung an schwingende Glocken denken ließ.

Gefühlvoll und mit angenehm warmer Stimme trug Monsignore Mayer Texte zu Jesu Geburt aus den Evangelien nach Lukas und Matthäus vor. Die frohe Botschaft der Engel, das Staunen der Hirten oder die Freude, mit der die Heiligen drei Könige erfüllt waren, kam bei der Lesung des 90-jährigen Ehrenmitglieds der Mainzer Singakademie deutlich zum Ausdruck. Passend kommentiert wurde das biblische Geschehen durch die eingeflochtenen Choräle aus Bachs Weihnachtsoratorium. Begleitet durch feierliche Orgelklänge von Larissa Kurmatschewa erstrahlte der Gesang in einem besonderen Licht – vom andächtig-besinnlichen „Wie soll ich Dich empfangen“ bis hin zum kraftvollen „Lob, Preis und Ehr“.

Erhebende Klänge erfüllten die Kirche auch bei der freudig jubilierenden Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (BWV 225). Bei diesem hochrangigen Chorwerk übernahmen die Sängerinnen und Sänger nach historischem Vorbild die Partien der Solisten – eine wunderbar gemeisterte Aufgabe. Ihr engelsgleicher Lobgesang schien dabei gen Himmel zu schweben.


Mainzer Allgemeine Zeitung (12.11.2013)

Geistliche Motetten von Brahms

(fb). Die Motetten von Johannes Brahms in der Kirche St. Bonifaz waren für Publikum und den gemischten Chor Voces Cantantes eine Herausforderung. Unter der Leitung von Alexander J. Süß hat der Chor seit 2003 unterschiedlichste A-Cappella-Werke aus 500 Jahren gemeistert.

Unter dem Dach der Mainzer Singakademie gehört der 30-köpfige Chor zu den herausragenden Mainzer Chören. Die junge Cellistin Dagnar Kochendörfer erweiterte das Konzert mit mystischen Klanglandschaften der Neutöner Volker David Kirchner und Peteris Vasks.

Eindringlich und feierlich

Die Eröffnung der Voces mit den vierstimmigen Frauenchören „O bone Jesu“ und „Adoramus te Christe“ geriet eindringlich und feierlich zugleich. Bei den drei Motetten op. 110 für vierstimmigen Männer- und achtstimmigen Frauenchor kamen unterschiedliche Stimmungen, Tempi und Singweisen zum Ausdruck. Schlicht und getragen erschien die erste Motette mit Betonung auf Wehe und Elend. Die tiefe Betrübnis über die Falschheit der Welt prägte die zweite Motette in ruhiger ernster Melodieführung.

Passend dazu gerieten die Auszüge aus den zwei Motetten für fünfstimmigen Chor (opus 29), bevor mit Dagmar Koppendörfers Cello-Interpretation von „Und Salomo sprach“ des Mainzer Komponisten Volker David Kirchner aus dem Jahr 1987 geheimnisvoll dunkle Töne angeschlagen wurden. Neben einem gleichförmig von der Griffhand gezupften Bordun verblüffte das in tiefsten Tiefen mäandernde Werk mit schnarrenden Saiten, Glissandi und geheimnisvollen Obertönen.

Bei Peteris Vasks „Pianissimo“ treibt die Cellistin ihre entrückte Klangmalerei mit arabesken Mikrotonfolgen in sphärische Gefilde, aus der sich schließlich ihre wundervolle Sopranstimme herausschält.


Mainzer Allgemeine Zeitung (1.10.2013)

Für Königin und Herkules

Mainzer Singakademie führt selten zu hörende Bach-Kantaten auf

Von Michaela Paefgen-Laß. Die beiden Glückwunschkantaten „Lasset uns sorgen, lasset uns wachen“ (BWV 213) und „Tönet ihr Pauken! Erschallet, Trompeten“ (BWV 214), die Bach 1733 für das sächsische Herrscherhaus schrieb, sind aus dem Konzertalltag nahezu verschwunden. Der Komponist dürfte das erwartet haben. Denn die als adelige Geburtstagsständchen gedachten Werke waren zu nicht mehr als dem einmaligen Gebrauch gedacht.

In St. Bonifaz brachten jetzt die Mainzer Singakademie unter Leitung von Alexander J. Süß und das Akademieorchester und Solisten die beiden selten gehörten Werke in Erinnerung. Das Publikum hörte dennoch vertraute Klänge. Wollust oder Tugend – Herkules muss sich am Scheidewege zwischen der Lust und der Pflichterfüllung entscheiden. Für einen erst elfjährigen künftigen Herrscher ist Bachs dramatisches Werk ein steil in die Höhe erhobener Zeigefinger. Sänger, Musiker und Instrumentalisten ließen den barocken Tonsatz dennoch frisch, leicht und jugendlich daherkommen. Die Textur des gewichtigen Lehrstückchens gestaltet Dirigent Süß filigran und durchsichtig. Vokalisten und Instrumentalisten agieren mit großer Klarheit. Vor Farbe und Sinnlichkeit sprüht die majestätisch-erhabene „Königin-Kantate“. Der moderne Schwung sämtlicher Ausführender hilft über die heute kaum noch erträglichen Beifallsbekundungen im Text hinweg.

Zusammengehalten werden die beiden Kantaten durch die Ouvertüre Nr. 3 in D-Dur (BWV 1068) mit ihrer weltberühmten „Air“. Wundervoll gestaltet das Akademieorchester die reichen Sätze aus und schafft ein Feuerwerk barocken Klangreichtums.

(...) Nach rund zwei Stunden Bach am Stück brauste am Ende verdienter und begeisterter Applaus auf.

Es sangen Tatjana Charalgina (Sopran), Diana Schmid (Alt), Markus Francke (Tenor) und Tom Schmidt (Bass).


Mainzer Allgemeine Zeitung (4.6.2013)

Werke der Romantik

KONZERT Mainzer Singakademie überzeugt in der St.Remigiuskirche

Von Heike Sobotta. „Jauchzet dem Herrn alle Welt, dienet dem Herrn mit Freuden“, der Chorsatz von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinem achtstimmigen Mittelteil gehört zu den anspruchsvollen und doch oft aufgeführten Motetten der Kirchenchorwelt. Auch der Chor der Mainzer Singakademie „voces cantantes“, der singenden Stimmen, eröffnete mit diesem Ausruf sein Konzert in Ingelheim in der St. Remigiuskirche.

Mächtiger Gestus

Und die 27 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Alexander J. Süß demonstrierten gleich mit ihren ersten Tönen, wie leicht sie den sensiblen Kirchenraum mit ihrer Klangstärke ausfüllen können. Dieser mächtige Gestus zog sich durch das gesamte Programm und hinterließ den prägenden Eindruck zu diesem Abend, obwohl der Chor sich von Alexander J. Süß auch immer wieder an vorgegebenen Stellen in den Pianobereich führen ließ, dort verweilte, um bald wieder zu einer Raumfüllenden Lautmalerei anzuschwellen.
Das lag in der Natur der Sache, entstanden die Kompositionen des Konzerts vorwiegend in der Romantik und damit in einer Zeit, in der Naturerleben und gewaltige Gefühle auch ungestüm in der Musik verherrlicht wurden. Da stand das eindringliche und doch weich flehende Bitten „Seele, vergiss sie nicht, Stelle vergiss nicht die Toten“, aus dem Requiem neben brausenden Stürmen und dem Ungestüm der Liebe, die sich eben in gewaltiger Lautmalerei entladen. Das ausgewählte Programm in Ingelheim bediente dabei nicht nur die vertrauten Hörgewohnheiten durch Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Brahms, ergänzte die durch seltener aufgeführte Komponisten wie Josef Gabriel Rheinberger und Peter Cornelius.
Darüber hinaus luden „voces cantantes“ das Publikum auch zum Reiben an den Grenzen zwischen traditioneller Musik und expressiver Lautmalerei ein, wie sie Arnold Schönberg in seiner Komposition „Friede auf Erden“ auslotet. Ein Stück, das zudem die stimmlichen Höhen der Sopranistinnen fordert und auslotet. „Hier gibt es viel Neues zu entdecken, auch wenn man das Stück schon zum zehnten Mal hört“, meinte Axel Hoock, der Vorsitzende der Singakademie, in seiner Einführung zu Beginn. Recht hatte er. Das engagierte und befreite Singen stand den Sängerinnen und Sängern bald ins Gesicht geschrieben.

Instrumentale Intermezzi

Viele Augen strahlten, während sie den Vorgaben ihres Chorleiters folgten. Zwischen den Chorsätzen sorgten die Studentinnen der Meisterklasse von Professor Dejan Gavric, Noémi Nagy und Eszter Simon, mit ihren Flötenduetten für wunderbare instrumentale Intermezzi, die in ein federnd tänzelndes Menuett von Ludwig van Beethoven in G-Dur mündeten.


Mainzer Allgemeine Zeitung (26.2.2013)

Lebensmelodie in hellem Dur

ST. STEPHAN Singakademie und Akademieorchester mit „Lobgesang-Sinfonie“

(mpl). Es sind die besonderen Anlässen, zu denen Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“-Sinfonie Nr.2, B-Dur, erklingt. Am Sonntag würdigten in St. Stephan die Mainzer Singakademie und das Mainzer Akademieorchester (Leitung: Alexander J. Süß) mit den Solisten Christina Niessen, Simone Süß und Carsten Süss mit dem von tiefer Religiosität durchdrungenen Werk 90 bewegte und bewegende Lebensjahre von Monsignore Klaus Mayer.
Die Symphonie-Kantate zelebriert in Musik und Bibelzitaten den Triumpf des Lichtes über die Dunkelheit. „Das Leben verläuft nicht geradlinig, sondern wellenförmig“, sagte Monsignore Mayer zu Konzertbeginn. Mendelssohns Komposition als musikalisches Sinnbild der Lebensmelodie hatte er sich zu seinem Geburtstag gewünscht. Der Vorsitzende Axel Hoock: „Sie und ihr Leben zum Teil eines solchen Lobgesanges werden zu lassen, ist das Ziel aller, die dieses Konzert ermöglicht haben“. Als besonderes Geburtstagsgeschenk nahm die Singakademie Monsignore Mayer als Ehrenmitglied auf.
Ein hoffnungsvolles majestätisches Unisono in den Posaunen stimmte die dreisätzige Sinfonia prächtig an. Mendelssohn Bartholdy hat in der Musik die Essenz der Kantate vorweggenommen, was ihm unter Zeitgenossen den Vorwurf einbrachte, die 9. Sinfonie Beethovens imitiert zu haben. Ein Vergleich, der Mendelssohn zu Lebzeiten verunglimpfte und der den gewachsenen organischen Aufbau des Werkes missachtet.
Das zentrale Thema des 150. Psalms „Alles was Odem hat“ wird in den Instrumentalsätzen auf farbenreiche Weise vorbereitet. Klangrein und dynamisch präzise interpretierte das Akademieorchester die fließenden Sätze. Das getragene Adagio religioso leitet über zum mächtigen Ausruf der Chöre „Alles was Odem hat“. Die zehnsätzige Kantate ist eine Montage von Psalmen und dem evangelischen Kirchenlied „Nun danket alle Gott“.
Besonders in innigen Satzteilen, wie „Sagt es, die ihr erlöst seid“, oder dem Choral „Nun danket alle Gott“ konnte sich der Chor fein nuanciert und präzise artikuliert entfalten. Mächtigen Tutti-Passagen allerdings war die Akustik der Kirche nur bedingt gewachsen. Bewegend interpretierte Tenor Carsten Süss den finsteren sechsten Teil „Stricke des Todes“. Vor dem brausenden Applaus aus der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche setzte der Chor letztmalig zum hoffnungsgeladenen „Alles was Odem hat“ an.


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