PRESSE-ARCHIV



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Mainzer Allgemeine Zeitung (5.10.2012)

Mainzer Singakademie begeistert in St. Bonifaz
mit Beethovens 4. Sinfonie und Messe

Von Sandra Mikutta
Zum zweiten Mal in diesem Jahr öffnete am vergangenen Mittwochabend St. Bonifaz seine Kirchentüren für die Mainzer Singakademie und das Mainzer Akademieorchester unter der Leitung von Alexander J. Süß. Sängerinnen und Sänger von cantare mainz, Herzstück des größten nicht konfessionell gebundenen Bürgerchors in Mainz, Solisten und Orchestermusiker überzeugten gleichermaßen mit einem außergewöhnlichen Programm, einer gelungenen Mischung aus weltlicher und geistlicher Musik.
Heiter und leicht
Hatte dem Mainzer Publikum am Tag der Deutschen Einheit außerhalb des Kirchenschiffes schon kein goldener Oktober entgegengestrahlt, so konnte Beethovens 4. Sinfonie in B-Dur und seine Messe in C-Dur ein gelungenes akustisches Gegengewicht zur herbstlichen Tristesse bieten und die Welt außerhalb für anderthalb Stunden vergessen lassen. Ungewöhnlich heiter und leicht mutet Beethovens 4. Sinfonie an. Zarte beziehungsweise muntere Töne dominierten die ersten Sätze in schön gespielten Passagen für Horn und Klarinette, während überzeugend dargebotene schnelle Streicherbewegungen im vierten Satz für einen unheilvoll klingenden Gegensatz sorgten. Die heute vergleichsweise seltener gespielte Sinfonie des Komponisten, die „Unscheinbare“, wurde vom Mainzer Akademieorchester, das seit 2011 mit der Konzertmeisterin Jane Sage auftritt, alles andere als unspektakulär, sondern betont frisch dargeboten.
Den zweiten Teil des Konzertabends bestimmte der Gesang. Vom Orchester unterstützt, füllten die klaren Stimmen von Chor und Solisten mit Beethovens Messe den Raum. Kraftvoll und stimmgewaltig präsentierte sich der Chor in den sechs Sätzen, deutlich spürbar das schöne und harmonische Zusammenspiel zwischen Chor, Solisten und Orchester.
Die äußerst gelungene und ausgeglichene Besetzung des Solistenensembles bestehend aus Mélanie Moussay (Sopran), Simone Süß (Alt), Gustavo Quaresma (Tenor) und Kai-Uwe Schöler (Bass) machte sich vor allem im fünften Satz, dem Benedictus, bezahlt, das die Solisten dominierten. Virtuos singend und überzeugend gestaltend begeisterte das Solistenquartett seine Zuhörer. Die kurzfristige Umbesetzung des Basses - Kai-Uwe Schöler war für den erkrankten Uwe Schenker-Primus eingesprungen - erwies sich dabei in keiner Weise als Nachteil. Der Freiburger Sänger konnte - im Gegenteil - besonders überzeugen.


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Allgemeine Zeitung Alzey (21.6.2012)
Wormser Zeitung (21.6.2012)

Ensemble „voces cantantes“ überzeugt bei Gastspiel in Bechtheim

Von Gunter Weigand. Ein beeindruckendes Konzert mit Chormusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts haben die Besucher der Basilika der Gemeinde erlebt. Das Ensemble „Voces Cantantes“ der Mainzer Singakademie glänzte unter der Leitung von Alexander J. Süß mit einem stimmgewaltigen Auftritt. Ergänzt wurde das Programm durch die Violinistin Jane Sage.

Anspruchsvolle Werke

Es waren durchweg Werke mit gehobenem Anspruch, die von den „Voces Cantantes“ präsentiert wurden. Erhebend die doppelchörige Vertonung des Psalms „Jauchzet dem Herrn“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mit der aufstrebenden Melodie gleich zu Beginn. Fließend weich wurde das Kyrie aus Josef Rheinbergers Es-Dur-Messe intoniert, mit ausgewogenem Klang zwischen den beiden Chorgruppen. Hier demonstrierten die „Voces Cantantes“ ihre Fähigkeit zu ausgefeilter dynamischer Differenzierung.

Herausragend war an diesem Konzertabend sicherlich Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“. Vom Komponisten noch vor seiner Wende zu atonaler Musik geschaffen, zeigte sich hier eine Harmonik, die der Romantik längst entwachsen war. Der Chor nahm einige Passagen sehr scharf und erreichte so eine schmerzhafte Intensität, die dem flehenden Charakter des Textes prägnanten Ausdruck verlieh. In der Tat war die Wirkung der aufeinandergeschichteten Akkorde auf den hinteren Rängen manchmal hart an der Grenze, die Akustik der Basilika war von der Stimmgewalt des Chors fast überfordert.

Virtuose Violinistin

Den Abschluss des regulären Programms bildeten die Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms, die man nicht besonders oft zu hören bekommt. Auch hier bewies der Chor Intonationssicherheit, Flexibilität und nicht zuletzt eine gute Textverständlichkeit. Alexander J. Süß hatte die Situation jederzeit im Griff und dirigierte ökonomisch.

Ein reines A-cappella-Konzert war es jedoch nicht, denn die Violinistin Jane Sage leistete wertvolle Beiträge zum Programm. Der Kontrast zu den vielstimmigen, meist romantischen Chorsätzen hätte nicht größer sein können. Sage hatte mit der Fantasie Nr. 3 von Georg Philipp Telemann und einer Passacaglia von Heinrich Ignaz Franz Biber barocke Kompositionen ausgesucht, die naturgemäß einen anderen Charakter aufwiesen. Sage agierte mit Geschick für das Material und lieferte eine virtuose Interpretation, gepaart mit Expressivität. Ihr Ton blieb dabei schlank, Vibrato setzte sie wohldosiert ein. Und dann war da noch Strawinskys Elegie, ruhig fließend, ebenfalls bewusst schmucklos gehalten, eine souveräne Interpretation.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (7.12.2011)

Mal jauchzend, mal flehend

ST. STEPHAN Singakademie überzeugt in großartiger Darbietung von Bachs Weihnachtsoratorium

Von Cornelius Persdorf. „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“. Das berühmte Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs ist zu einer festen kulturellen Institution im vorweihnachtlichen Kirchenkonzertwesen geworden. Dem ungeschriebenen Gesetz verfestigter Traditionen widerspricht es allerdings, dass das Oratorium nach wie vor eine Kirche von so stattlicher Größe wie die Stephanskirche zu füllen in der Lage ist: Die Mainzer Singakademie und das Mainzer Akademieorchester unter der Gesamtleitung von Alexander J. Süß inszenierten das Meisterwerk vor komplett ausgelasteten Kirchenbänken.

Sucht man nach dem Grund für den regen Andrang, wird man nicht nur bei der Erhabenheit Bach’schen Genies, sondern auch bei dessen professioneller, wirkungsmächtiger und großartiger Implementierung fündig. Die drei zusammenhängenden Kantaten des Oratoriums gliedern sich in mal jauchzende, mal flehende Choräle, in den nur vom Cembalo begleiteten narrativ-nüchternen Erläuterungen des Evangelisten (Tenor Ralf Simon), in gefühlsbetonte Solo- oder Duoarien und deren einführende Rezitative.

Altistin Katharina Magiera (Preisträgerin des Frankfurter Mendelssohn-Wettbewerbs) verlieh dem heiteren Moll der Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ eine sehr schöne gefühlsbetont-fürsorgliche Grundierung, im sich anschließenden Choral „Wie soll ich dich empfangen“ (dessen Melodie man aus „Wenn ich einmal soll scheiden“ bekannt ist) zelebrierte der Chor ein sehr tiefgründiges und in allen Farben der Dynamik schillerndes Lento.

Tenor und Evangelist Ralf Simon lotete den gesamten Kirchenkorpus aus und Bass Florian Plock (1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang) sorgte in seiner Arie „Großer Herr, o starker König“ für die nötige Essenz zu dem prächtigen Allegro, das die Aussage „o wie wenig, achtest du der Erden Pracht!“ unterstreicht.

Wie ein roter Faden zogen sich Choräle mit jener Melodie, die man aus Luthers Adventslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ kennt, durch alle drei Kantaten.

Die australische Sopranistin Sharon Kempton vervollständigte in ihrer Arie „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“ die überragende solistische Leistung des Konzerts, die im Verbund mit dem klanggewaltigen Chor und der würdigen Leistung des begleitenden Orchesters mit einem Paukenschlag auf die oft im Alltag vergessene hochkulturelle Seite von Advent und Weihnachten aufmerksam machte.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (7.11.2011)

Jugendwerke von Puccini und Bizet

(S.K.). Weit mehr als Talentproben sind die „Missa di Gloria“ von Giacomo Puccini und das „Te Deum“ von Georges Bizet. Puccini schrieb das Kirchenwerk als Student mit 22 Jahren, Bizet war zwanzigjährig bei seinem Ausflug in die Sakralmusik.

Packende Darbietung durch „cantare mainz“

Diese Jugendwerke gerieten jedoch rasch in Vergessenheit. Die Puccini-Messe wurde nach der Uraufführung über 70 Jahre nicht mehr gespielt. Das „Te Deum“ von Bizet blieb damals ungespielt und musste bis 1970 auf seine Uraufführung warten. So war es ein großes Verdienst des Dirigenten Alexander J. Süß, der die Werke mit dem Chor „cantare mainz“ und dem Mainzer Akademieorchester in der Stephanskirche zur packenden klangintensiven Wiedergabe brachte.

Wirkungsvoll stellt Puccini in seiner „Missa“ den Chor in den Mittelpunkt. Mächtig anschwellend erklang schon das „Kyrie“, das Puccini weniger als Flehen um Erbarmen, sondern markig wie eine Forderung formuliert hat.
Düster intonierten die Bässe das „Quis tollis“ und die Soprane setzten hell ihr „Miserere“ dagegen. Da wird der packende Opern-Instinkt schon beim jungen Puccini hörbar. Ebenso wenn sich die Fuge „Cum Sancto Spiritu“ zu scharfer gezackter Stimmführung türmt. Mitreißend gelang diese Fugensteigerung und der Dirigent beflügelte sein Ensemble zu enthusiastischem Schwung.
Jubelnd beschwingt und hell von den Blechbläsern über-strahlt setzte das Gloria ein. Stimmschön und mit heldischem Akzent gelangen in der Arie „Gratias agimus“ dem Tenor Carsten Süss die opernhaften Aufschwünge, färbte der Bariton Kai Günther sonor sein „Crucifixus“ und das „Benedictus“. Beide Solisten vereinte das „Agnus Dei“, dessen Melodie Puccini später als Madrigal in seine Oper „Manon“ übernehmen wird.

Klangwogen im Kirchengewölbe

Impulsiv und unmittelbar kam auch das Frühwerk von Georges Bizet zu seiner Wirkung. Lyrisch leuchtend begeisterte der Sopran Christiane Libor in „Tu Rex gloriae“ und in ihrem großen Solo „Aeterna fac“.
Zum Höhepunkt wurde die vierstimmige Chorfuge „Fiat misericordia tua“, die wie die Wellen einer Brandung in immer größeren Klangwogen ins Kirchengewölbe aufstiegen.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (31.5.2011)

Schmerz der Gottesmutter

KONZERT Mainzer Singakademie überzeugt mit Rossinis „Stabat Mater“

Von Meike Scharnitzky. Mit Opern und musikalischer Romantik wird Gioachino Rossini in Verbindung gebracht. Sein Stabat Mater fand dagegen nur wenig Beachtung. Dank der Mainzer Singakademie konnte jetzt eine Aufführung seiner Vertonung des mittelalterlichen Gedichts über die Schmerzen der Gottesmutter miterlebt werden. Die mehr als 60 Sängerinnen und Sänger von „Cantare Mainz“ und „Voces cantantes“ zeigten mit den Solisten Barbara Dobrzanska (Sopran), Katharina Magiera (Alt), Carsten Süss (Tenor) und Kai Günther (Bariton), begleitet durch das Mainzer Akademieorchester, die Vielseitigkeit dieses geistlichen Werkes.
Beginnend mit einer aufsteigenden Melodie, bauten Celli und Fagotte die ouvertürenhafte Orchestereinleitung auf. Die orchestrale Steigerung bis zum Choreinsatz ließ bereits auf die präzise und beeindruckende Aufführung des Werkes schließen. Deutlich arbeiteten die Musiker unter dem souveränen Dirigat von Alexander J. Süß die Kontraste zwischen den teils opernhaften, teils zarten Passagen heraus. Ungewohnte Chortechniken, wie kurze Einwürfe in Imitation von Streicherpizzicati, meisterten die Sänger und Sängerinnen mit Bravour.
Im zweiten Teil überzeugte Süss in seiner Tenorarie mit chromatischen Abgängen, die die Schmerzen Marias musikalisch gelungen zum Ausdruck brachten. Diese vermittelten auch die abrupten Abbrüche im Orchester im energischen Teil „Quis est homo“, den die Hörner rein intoniert einführten.
In der folgenden Arie Günthers standen liebliche Melodien im Kontrast zu fanfarenartigen Einwürfen der Blechbläser. Der fünfte Teil „Eja, mater“ überzeugte hingegen als A-Cappella-Satz. Beginnend mit einem harmonischen Männerchor baute der Chor einen raumfüllenden Klang auf. Trotz Gewaltigkeit endeten die Sänger in einem pianissimo und ließen den Akkord so im Kirchenraum verklingen. Wie präzise die Probenarbeit in Chor und Orchester gewesen sein muss, lassen die perfekt ausgearbeiteten Details nur erahnen.
Mit großem Einfühlvermögen und Ausdrucksstärke präsentierte sich Altistin Magiera in dem Teil „Fac ut portem“, während im darauf folgenden Teil stimmgewaltig die Sopranistin Dobrzanska dominierte. In den letzten beiden Teilen zeigte der Chor mit großer Perfektion abschließend die unterschiedlichen Nuancen des Werkes. Er überzeugte sowohl in den zarten Pianissimo-Passagen wie auch mit mächtigen opernhaften Klängen in beeindruckender harmonischer Einheit mit dem Orchester.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.3.2011)

Auftritt mit Seltenheitswert

BENEFIZKONZERT Voces cantantes singen für die neue Orgel in St. Stephan

(jgw). „Der Begriff A-cappella-Musik wurde seit dem 19. Jahrhundert der Inbegriff für vollendeten Chorgesang“, informiert das Programmheft des jüngsten Konzerts der Voces cantantes in St. Stephan, das die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Alexander J. Süß zugunsten der neuen Orgel dieses Gotteshauses gaben. Man stellte also hohe Ansprüche an sich selbst und verlieh diesem Auftritt auf jeden Fall einen Seltenheitswert; denn die Voces cantantes sangen neben bekannteren Kompositionen von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Guiseppe Verdi sowie der sechzehnstimmigen Festmotette „Omnes Gentes“ aus den 1597 entstandenen „Symphoniae Sacrae“ von Giovanni Gabrieli zwei Werke, die höchst selten aufgeführt werden: Die Es-Dur-Messe op. 109 von Josef Gabriel Rheinberger und das Requiem von Peter Cornelius - diese beiden Werke bildeten denn auch die Höhepunkte des konzertanten Abends.
(...) Verdis „Pater noster“ oder Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln“ und der 100. Psalm „Jauchzet dem Herrn“: Hier schwelgte der Chor in romantischer Klangpracht (...)
Rheinberger und Cornelius: Die Messe mit ansprechender Diktion, genauen Einsätzen wie im gestaffelten „Gloria“, eindrücklichem Wechselgesang der einfachen Harmonien und die punktgenau gesetzten Intervalle im „Credo“ sowie der ätherisch erhabene Klang im „Sanctus“ oder das friedvoll ausklingende „Agnus Dei“ - hier zeigte sich, zu welcher Leistung die Voces cantantes in der Lage sind. Gleiches galt für Cornelius‘ Requiem, in dem der Komponist das Poem „Seele, vergiss sie nicht“ von Friedrich Hebbel vertont hat und sich an die Hinterbliebenen wendet, um gegen das Vergessen zu predigen. In diesem Stück überzeugten die Voces cantantes mit dem Umsatz des werkimmanenten Widerspruchs aus tonaler Harmonie und aufgewühlter Dissonanz


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Mainzer Allgemeine Zeitung (8.12.2010)

Choräle erfüllen Tiefen des Raumes

WEIHNACHTSORATORIUM „Voces Cantantes“ und das Mainzer Akademieorchester überzeugen in St. Stephan

(avc). Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist eine ganz besondere musikalische Umsetzung der Weihnachtsgeschichte. Schon die erste Kantate wird mit pompösen Paukenschlägen und Trompetenklängen eröffnet. Erst kurz darauf setzt der Rest des Orchesters ein. Zunächst Holzbläser, dann Streicher, schließlich jubiliert der Chor und besingt mit „Jauchzet, frohlocket“ die Freude über das nahende Weihnachtsfest. Musik gehört für viele zum Einstimmen auf die Festtage, ebenso wie ein Besuch des Weihnachtsmarkts oder das Öffnen der Kalendertürchen. Die Reihen im Kirchenschiff von St. Stephan waren am zweiten Advent vollbesetzt, denn vier hervorragende Solisten, der Chor „Voces Cantantes“ und das Mainzer Akademieorchester, unter der Leitung von Alexander J. Süß, führten die Kantaten I,III,V und VI des Oratoriums von Bach auf. Süß gelang es, seinen Musikern an diesem Abend das nötige Engagement abzuverlangen, um der anspruchsvollen Komposition gerecht zu werden. So folgte auf ein Solo von Tenor Carsten Süß, eine direkte Überleitung in ein Rezitativ.
Der Tenor führte tadellos als Evangelist durch die Geschichten aus dem Lukas- und Matthäusevangelium und kündigte Mezzosopranistin Katja Starke an. Starke sang nach dem Rezitativ die anspruchsvolle Arie „Bereite dich Zion“, in der sie als Maria, begleitet von einer Oboe, die Koloraturen meisterte. Das Orchester leitete die beiden Soli flüssig ineinander über und gab zusammen mit dem Chor im Choral, „Wie soll ich dich empfangen“ ein beeindruckendes Konzerterlebnis.
Dabei wurde zum ersten Mal ein Klangbild entworfen, das auch in den darauffolgenden Kantaten stets aufrecht erhalten blieb. Durch Homogenität der Stimmen konnte die Tiefe des Raumes ausgeschöpft werden, ohne dabei den Bezug zum inhaltlichen Kontext, dem Zyklus des Weihnachtsoratoriums und den einzelnen Rollen zu verlieren.
Bassist Thomas de Vries oder aber auch Sopranistin Katharina Leyhe stellten so ihr Können im Duett „Herr dein Mitleid“ eindrucksvoll unter Beweis. In der letzten Kantate schloss das Solistenquartett dann, indem die Brücke zwischen Triumphmusik und dem Gedanken der Geborgenheit und Fürsorge geschlagen wurde. Das Publikum war begeistert vom gelungenen Wechsel zwischen Arien und Chorälen, Rezitativen und instrumentalen Zwischenspielen und applaudierte noch lange nachdem sich die Solisten verbeugt hatten.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (16.11.2010)

Rarität der Kirchenmusik

ST. STEPHAN Singakademie präsentiert Gaetano Donizettis „Messa di Requiem“

Die traditionsreiche Mainzer Singakademie verfolgt seit Jahren ambitionierte Projekte. Mit Gaetano Donizettis „Messa di Requiem“ hat der Chor seinem Publikum am vergangenen Sonntag in der Kirche St. Stephan ein ganz besonderes Geschenk gemacht - gehört das Requiem doch zu den äußerst selten gespielten kirchenmusikalischen Werken.
Werk ist ein Fragment geblieben
Der Grund für die raren Aufführungen mag darin liegen, dass das Werk ein Fragment geblieben ist. So hat Donizetti drei Teile des Requiems, das er zum Tode seines Freundes Vincenzo Bellini schrieb, nicht vertont. Auch die hohe Herausforderung, die das stellenweise langatmige Werk durch Rückgriffe auf den Belcanto-Gesang für Chor und Solisten bedeutet, könnte zu seiner Seltenheit beitragen. Dieser Herausforderung stellt sich die Mainzer Singakademie mutig, ist ihr jedoch nicht immer gewachsen. Unter der Leitung von Alexander Süß erzielt der Chor besonders in den Tutti-Stellen ein volles, rundes Klangbild. Alle Chorpartien sind durchweg hervorragend einstudiert und werden sauber intoniert. Stellenweise bleibt der Chor jedoch zu blass - wie im „Kyrie eleison“ und im Finale, wo es ihm nicht gelingt, den dramatischen Gestus der Musik überzeugend zu transportieren. Auch fehlt es ihm teilweise an Stringenz und Klarheit - was jedoch mit den akustischen Gegebenheiten des Kirchenschiffes zusammenhängen mag. Diese sind sicherlich auch ein Grund für die mangelhafte Verständlichkeit des Chores, so ist der lateinische Text des Requiems, der vom Jüngsten Gericht und ewiger Ruhe spricht, kaum zu vernehmen.
Großartige Leistungen der Solisten
Abgefedert werden diese kleineren Mängel von einem großartigen Solisten-Ensemble. Besonders hervorzuheben sind dabei Carsten Süß, mit kräftigem Tenor und feinen Höhen, sowie der sonore Bassbariton Martin Gäbler. Auch Bassbariton Oliver Zwarg, die englische Altistin Julie Mellor und die junge Sopranistin Marina Herrmann überzeugen stimmlich. Das Mainzer Akademieorchester präsentiert sich gut aufgelegt und stimmig (...)


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Mainzer Rheinzeitung (7.10.2010)

Klangvolle Freude über die Einheit

Mainzer Singakademie trug die Neunte vor

Mainz. Anlässlich der Feierlichkeiten der Deutschen Einheit im Jahre 1990 fand im Berliner Schauspielhaus ein Konzert mit dem Gewandhausorchester Leipzig und der Leitung von Kurt Masur statt. Auf dem Programm stand Beethovens 9. Sinfonie. „Alle Menschen werden Brüder“ - die Textzeilen von Schillers Ode an die Freude, die im Schlusschor der Sinfonie eingearbeitet ist, drückten einen damals wie heute gültigen Wunsch aus.
20 Jahre später erinnert die Mainzer Singakademie anlässlich des Tages der deutschen Einheit mit demselben Programm im Kurfürstlichen Schloss in Mainz an dieses denkwürdige Konzert. Gemeinsam mit den Prager Philharmonikern bewiesen sie, dass Europa nicht nur in der EU, sondern auch als Kulturraum stark miteinander verbunden ist.
Schon mit den ersten Tönen der Einleitung schafften die Streicher unter der Leitung von Alexander J. Süß eine spannungsgeladene Atmosphäre, die sich bis zum Schlusschor immer weiter aufbaute. (...) Der bewegliche, klangvolle Streicherapparat wurde von einem ausgewogenen Bläsersatz ergänzt. Die Holzbläser konnten dabei durch sicher beherrschte Filigrantechnik überzeugen, während es den Blechbläsern äußerst gut gelang, sich in den Orchesterklang einzufügen, um an den entsprechenden Stellen daraus majestätisch hervorzutreten (...)
Eindrucksvoll mit kernigem Timbre leitete Stephan Klemm nach dem spannungsgeladenem Aufbau der Sinfonie den bombastischen Schluss über. Kraftvoll nahmen die Chorbässe seinen Ausruf „Freude“ auf. Auch Christiane Libor (Sopran), Simone Süß (Alt) und Carsten Süss (Tenor) wussten mit ihren Partien zu gefallen. (...)
Traditionell geht der fast schon orgiastische Schlusschor in den Fortissimo-Stellen oft mehr in ein Schreien als ein Singen über. (...) In den sanfteren Passagen konnte der Chor dann aber seine ganze Klangstärke ausspielen und gefiel mit warmen, ausgewogenen Klang in allen Registern. Tobias Jung


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Mainzer Allgemeine Zeitung / Wiesbadener Tagblatt (6.10.2010)

Hymne der Einheit

SINGAKADEMIE Beethovens 9. Sinfonie feierlich dargeboten

Von Rebecca Hack. Wohl kaum ein Werk steht in einem so engen Zusammenhang mit der deutschen Einheit wie Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Denn ebenso wie die deutsche Bevölkerung waren auch die einzelnen Bände der Original-Handschrift der Sinfonie durch die Mauer getrennt und konnten erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands zusammengeführt werden.
Kurz nach dem Mauerfall, im Dezember 1989, führte der Dirigent Leonard Bernstein die Sinfonie mit Musikern aus allen vier ehemaligen Besatzungsmächten in Berlin auf. Den Chor ließ er dabei „Freiheit“ statt „Freude schöner Götterfunken“ singen und machte das Werk auf diese Weise zur Hymne der Einheit. Und so ist es selbstverständlich, dass Beethovens letzte vollendete Sinfonie zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung überall in Deutschland erklingt.
Auch in Mainz wurde das Jubiläum am 3. Oktober feierlich mit Beethoven im Kurfürstlichen Schloss begangen. Eingeladen hatte der älteste Mainzer Kulturverein, die Mainzer Singakademie, unter der Leitung von Dirigent Alexander J. Süß. Den Löwenteil des Abends bestritten die Prager Philharmoniker, deren ständiger Leiter Süß seit 2008 ist. Glänzend aufgelegt und routiniert spielten sie den ersten Satz der Sinfonie, der zweite, ein Scherzo, folgte eigenwilliger und gegen den Strich gebürstet. Besonders das lebendig Pulsierende in Beethovens Partitur hob Alexander J. Süß dabei hervor und schuf somit einen deutlichen Kontrast zum dritten Satz und dessen lieblich-schwelgenden Melodiebögen. Im vierten Satz, nach der Einführung des Themas durch das Orchester, folgte dann endlich der Höhepunkt: der Einsatz der Solisten und des Chores. Bassist Stephan Klemm überzeugte mit vollem, runden Klang, neben einer starken Christiane Libor (Sopran) und dem Tenor Carsten Süss. (...)


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Rhein-Hunsrück-Zeitung (7.9.2010)

Junge Stimmen interpretieren alte Meister im Hunsrückdom

Außergewöhnliche Klangfülle in ungewohnter Intensität erfüllte an einem aprilmäßigen Spätsommernachmittag die hehren Mauern des Hunsrückdomes in Ravengiersburg. Der Konzertchor „voces cantantes“, Mitglied der Mainzer Singkademie, gab ein bemerkenswertes A-cappella-Konzert von Komponisten aus vier Jahrhunderten.
„Alles was Odem hat, lobet den Herrn“ aus der Motette für zwei Chöre „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Bach hätte als Leit- und Richtschnur für das Konzert dieser 25 Sänger dienen können. „Eine hervorragende Ensembleleistung“, für die sie 2006 den Sonderpreis der Frankfurter Jury bekommen haben, ist der Anker und die Basis für ihr völlig neues, kreatives, einfallsreiches und mit ungeheuerer Intensität und Verve betriebenes chorisches Musizieren. Ihr Crescendo gleicht einem Jüngsten Gericht, und ihr Decrescendo lässt die Nähe ferner Sphären ahnen. Der 100. Psalm „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Mendelsohn-Bartholdy gibt dem Tenor und dem Sopran die Gelegenheit, Brillanz und Strahlung zu zeigen. Die sechsstimmige Chorfassung des Requiems „Seele, vergisst sie nicht“ von Cornelius lässt die Bass- und Altstimmen zur Geltung bringen.
Wie sehr der Chor der dirigierenden Hand des musikalischen Leiters und Musikdirektors der Mainzer Singakademie - Alexander J. Süß – folgt, konnte nicht nur im heutigen Konzert sondern schon im Rahmen des Dirigierkurses des Chorverbands Rheinland-Pfalz an den zwei vergangenen Wochenenden gesehen werden. Der Konzertchor erwies sich als würdiger und williger Partner unverhofften Musizierens.(...)


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Maizer Allgemeine Zeitung / Wiesbadener Tagblatt (4.5.2010)

Fesselnd bis zum Schluß

KONZERT Haydns „Schöpfung“ in St. Stephan

Von Jan-Geert Wolff. Mainz. „Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser.“ Noch bevor der Chor diesen Satz anstimmt, setzt ihn das Mainzer Akademieorchester um. Aus dem weichen, sphärischen Klang schält sich das Wachsen heraus und kündigt Großes an: die Schöpfung - Hob. XXI:2 von Joseph Haydn in St. Stephan. Vor der Kulisse der Fenster Marc Chagalls, die auch diese Geschichte einfangen, gelang der Mainzer Singakademie unter Alexander J. Süß jetzt eine mustergültige Aufführung des Oratoriums, die kurzweilig durch vitale Prägnanz bis zur letzten Minute fesselte.
Zwar erwies sich der Erwerb des Textheftes als lukrative Investition, da die Akustik in St. Stephan derartig monumentalen Werken nicht gerade entgegenkommt. Doch ließ Süß seine Musiker mit größtmöglicher Prägnanz in der Diktion auf den Nachhall im Kirchenschiff reagieren und verstand es darüber hinaus, diese Klippe als Plattform zu nutzen, von der aus Vokalisten und Orchester in den opulenten Jubelchören einen farbenprächtigen Clusterklang erschufen.
Der „Schöpfung“ von Joseph Haydn liegt eine freie und eigenwillige Nacherzählung der Genesis zugrunde, die sich wiederum aus Bibelzitaten und Versen aus John Miltons „Paradise Lost“ speist. Ebenso pompös ist die stilistische Vielfalt der Partitur, die nichts auslässt, was im späteren 18. Jahrhundert an musikalischen Mitteln aus Oper und Orchestermusik en vogue war. Alexander J. Süß verstand es vorzüglich, diese Fülle an Ausdrucksmitteln zu nutzen: Die Schilderung des Sonnenaufgangs geriet zutiefst ergreifend und die pointiert drollige Schilderung der Fauna erinnerte gar an den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns.
Eine äußerst glückliche Hand hatte Süß auch bei der Wahl seiner Solisten: Christiane Libor verlieh ihrem Engel Gabriel mit operettenhaftem Gout sportliche Flügel und die Himmelsboten Raphael und Uriel (Bass Stephan Klemm und Tenor Carsten Süß) gefielen als tiefernste Erzähler mit markant packendem Stil. Diese Geste geriet vor allem Süß in der Schilderung der „männlichen Herrlichkeit“ Adams mit prickelnder Ironie, die auch der vokale Mime des ersten Mannes, Bariton Uwe Schenker-Primus, mit erhabener Eleganz weiter zu entwickeln verstand. Ihm zur Seite stand Eva (Sopranistin Ina Stachelhaus), die mit hinreißendem Selbstbewusstsein die devoten Verse „O Du, für den ich ward, mein Schirm, mein Schild, mein All!“ intonierte.


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Mainzer Rheinzeitung (5.5.2010)

Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gelingt bestens

Akademieorchester und Cantare Mainz geben ein tolles Konzert in St. Stephan – Dirigent Alexander J. Süß leitet seine Sänger souverän

MAINZ. Nicht gerade mit dem Urknall, aber doch mit dem von ihm so geliebten Paukenschlag lässt Joseph Haydn seine „Schöpfung“ beginnen. Beim Konzert in St. Stephan sorgen das Mainzer Akademieorchester und der Doppelchor Cantare Mainz unter der souveränen Leitung von Alexander J. Süß zwei Stunden lang für ein herausragendes Musikereignis.
Entstanden 1798 im Strahlkreis der Aufklärung, erzählt das Oratorium die sechstägige Schöpfungsgeschichte, fast ebenso frei nach der Genesis wie nach John Milton. In wechselnden Szenen und Beispielen beschreiben die Texte, jeweils ergänzt oder interpretiert von tonmalenden musikalischen Klangbildern, das Erscheinen von Himmelskörpern, Wasserfluten, Pflanzen, Tieren und schließlich dem Auftritt des ersten Menschenpaares. Die Schlange braucht Haydn ebenso wenig wie den Apfel der Erkenntnis. Geist und Weisheit hat der aufgeklärte Mensch, der Zeit entsprechend „ein Mann und König der Natur“, per se.
Die solistischen Erzähler tragen die Namen von Erzengeln. Stephan Klamm als Raphael, dynamischer Bass, macht durch sensible Phrasierung seine Rezitative fast zu Arien und die beiden Arien zu eindrucksvollen Dialogen mit dem Orchester. Uriel, Carsten Süss, ein Tenor mit Strahlkraft und Timbre, glänzt besonders im C-Dur der Arie Nr. 24. Gabriel, volltönend gesungen von Christiane Libor, bewältigt etwa die Koloraturen des „zarten Taubenpaars“, mit Bravour. Adam, Uwe Schenker-Primus, und Eva, Ina Stachelhaus, schwelgen – nicht ganz unironisch – in der prästabilierten Harmonie ihres Liebesduetts, wobei die zarte Sopranistin an der Seite des Festival erprobten „teuren Gatten“ nur vermittels ihrer hellen Klarheit bestehen kann.
Der Chor hat den Part des Gotteslobs, mehrfach in raumfüllendem Fortissimo, das der Dirigent noch deutlich stimuliert. Süß kennt seine Leute, und sie kennen das Werk, ohne jedoch in Routine zu verfallen. Die Spannung wird gehalten, Einsätze kommen präzise. In den Fugen präsentieren sich die Stimmlagen einzeln nacheinander in ausgewogener Stärke, um dann beim mächtigen Schlusschor im Wettgesang ganz und gar zu verschmelzen. Das zweifache homofone Amen vereint alle Musizierenden und bekräftigt das Ja zur Schöpfung, in welchem Sinne auch immer.
Das Publikum, das aufmerksam zugehört hat, applaudiert lange begeistert. Währenddessen stehen Chagalls „Adam und Eva“ im linken Chorfenstern des Gotteshauses ruhig ineinander versunken. Brigitte Dörrlamm


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Mainzer Allgemeine Zeitung (3.4.2010)

Begegnung dreier Konfessionen

KONZERT Zum Todestag von Marc Chagall

Von Siegfried Kienzle. Mainz. Heinrich Schütz hat seine "Musikalischen Exequien" 1635 zur Trauerfeier seines Landesherren, des Fürsten Heinrich Postumus von Reuß komponiert, der auch als Künstler, Sänger und Mäzen beachtlich war. In der Aufführung der Mainzer Singakademie durch die "Voces cantantes" unter der Leitung von Alexander J. Süß wurde in der Staphanskirche wieder eines Künstlers gedacht: an Marc Chagall und dessen 25. Todestag.
Vor den magischem Blau leuchtenden Kirchenfenstern, die Chagall für St. Stephan geschaffen hat, wurde dies auch eine Stunde der Begegnung der drei Konfessionen. Der Protestant Schütz, der mit seiner Trauermusik das erste "Deutsche Requiem" schuf, mit dem Juden Chagall in einer katholischen Kirche.
Für die Exequien hatte Süß ein kleines Ensemble gewählt und die Solisten in den Vordergrund gerückt. So erreichte er ein Höchstmaß an Klangtransparenz und Wortdeutlichkeit. Die herbe Intonation in "Es ist alhier ein Jammertal" und "Ach, wie elend ist unser Zeit allhier" erinnerte daran,daß diese Musik mitten in den Verheerungen des 30-jährigen Kriegs enstanden ist.
Ergeifend gelang das abschließende "Canticum Simeonis". Wie sich die Verheißung Simeons aus dem Lukas-Evangelium "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren" mit den Gegenstimmen "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben" aus der Offenbarung des Johannes kunstvoll verflechten, das gehört zu den Höhepunkten der vor-bachlichen Sakralmusik.
Mit zwei seiner Begräbnis-Motetten war Johann Sebastian Bach in den Abend einbezogen. In der Motette "Komm, Jesu, komm" BWV 229 ließ Süß den wiederholten Anruf "Komm!" wie Glockenklang schwingen. In Bachs "Singet dem Herrn ein neues Lied" BWV 225 war die Spannung zwischen den beiden Chören zuweilen so zugespitzt, dass sie sich in den Steigerungen förmlich ins Wort fielen, bis die Fuge "Alles was Odem hat, lobe den Herrn" den mächtigen Schlusspunkt setzte. (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (2.3.2010)

Schwelgerische Klangentfaltung

LIEDERABEND Sopranistin Christiane Libor gestaltet gelungenen Auftakt der Singakademie-Reihe

Ein Liederabend - in Mainz hat das Seltenheitswert! Die Musikszene lebt hier von den zwei sinfonischen Reihen in Staatstheater und Rheingoldhalle und dem Pianisten-Zyklus im Frankfurter Hof. Um die Kammermusik kümmert sich die Villa Musica und Chorwerke hört man in den Kirchen. Für die subtile Kunst des Liedgesangs engagiert sich keiner. So ist das Projekt der Mainzer Singakademie zu begrüßen, künftig im Leibniz-Saal des Kurfürstlichen Schlosses dem Lied eine eigene Reihe zu widmen.
Die aus Berlin stammende Sopranistin Christiane Libor hat eine ausdrucksvolle, technisch ausgereifte und in allen Lagen klangschöne Stimme, die zuweilen in ihrem Ausdrucksverlangen ins Fortissimo rutscht und mit ihrem Volumen den Rahmen sprengt.
Mit elf Liedern von Richard Strauss, sechs Mörike-Liedern von Hugo Wolf und drei Gesängen von Karol Szymanowski wurde es ein Abend der Spätromantik. Bei Richard Strauss kamen die ekstatische Steigerung in "Frühlingsfeier" mit dem wagnerhaften "Adonis"-Ruf und das emotionale Pathos im Abschiedslied "Befreit" dieser flutenden Opernstimme entgegen, die hörbar eingebettet sein will in Orchesterklang. In diesem Sinn wählte Libor auch "Cäcilie" als dramatischen Monolog. Traumhaft schön, intonations-rein und in feinstem Piano gelangen die oft gehörten Naturstimmungen von "Die Nacht", "Freundliche Vision" und "Morgen", die zu den Juwelen des Strauss-Gesangs gehören.
Ergeifend gelang das abschließende "Canticum Simeonis". Wie sich die Verheißung Simeons aus dem Lukas-Evangelium "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren" mit den Gegenstimmen "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben" aus der Offenbarung des Johannes kunstvoll verflechten, das gehört zu den Höhepunkten der vor-bachlichen Sakralmusik.
Da Libors Stärke weniger das pointierte Artikulieren ist, sondern die schwelgerische Klangentfaltung, wurden in den Mörike-Liedern von Hugo Wolf nicht alle Erwartungen erfüllt. Der schalkhafte Parlandoton in der "Nimmersatten Liebe" blieb ihr fremd, doch eindringlich traf sie den schlichten Ton des Volkslieds in "Das verlassene Mädchen". Berückend in verinnerlicht leiser Tongebung erklangen "Im Frühling" und "Verborgenheit". Es ist kaum bekannt, dass der polnische Komponist Karol Szymanowski 26 Lied-Zyklen geschrieben hat. Aus seinen frühen Vertonungen der Gedichte von Richard Dehmel wählte Libor die drei Lieder "Hoch in der Frühe", "Manche Nacht" und "Nach dem Regen". Die Pianistin Claar ter Horst war einfühlsam und konzentriert die Begleiterin am Flügel. Den Namen Christiane Libor wird man sich merken müssen!


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Mainzer Rhein Zeitung (2.3.2010)

Christiane Libors Stimme ist ein Erlebnis

Erster Liederabend der Singakademie gelingt - Sopranistin wählt Strauss, Szymanowski und Wolf

Einen Liederabend zu organisieren ist für Veranstalter finanziell meistens ein Verlustgeschäft. Großen Zulauf haben die intimen Kammermusikabende oft nicht. Auch beim ersten Liederabend der Mainzer Singakademie im Leibnizsaal des Kurfürstlichen Schlosses sind nur rund 50 Zuhörer gekommen. Dabei hat der Mainzer Chor mit Christiane Libor eine viel versprechende Sopranistin eingeladen.
Für ihr Fach ist die Sängerin vergleichsweise jung, denn sie hat eine dramatische Stimme. Dementsprechend präsentiert sie sich mit Liedern von Richard Strauss, Karol Szymanowski und Hugo Wolf. Gleich bei den ersten Liedern beweist die Sopranistin, dass sie über ein leuchtend rundes Timbre verfügt, eine mühelose klare Höhe und Spitzentöne, die sie scheinbar endlos halten kann. Für die Zuhörer steht bald fest: Diese Stimme ist ein Erlebnis, auch wenn unter dem Vokalausgleich der Sängerin die Textverständlichkeit etwas zu leiden hat. Ohne Probleme hätte der Abend auch in einem riesigen Konzertsaal mit großem Orchester stattfinden können. Der Leibnizsaal stieß hier akustisch an Grenzen.
In den etwas besinnlicheren Liedern wie der "Waldseligkeit" von Strauss, zeigte Libor, dass sie auch in der Lage ist, ihre Stimme differenziert abzuschattieren und dunkle Gefühlswelten darzustellen. Das waren die gelungensten Momente dieses Abends, weil hier das Spiel ihrer Klavierpartnerin Claar ter Horst gleichgewichtig zur Geltung kam und das Miteinander musizieren stärker in den Vordergrund rückte. Offensichtlich liegen Claar ter Horst eher die zarten Töne, wie sie etwa in der gefühlvollen Einleitung zum Strauss-Lied "Freundliche Vision" beweist. Den pianistisch auftrumpfenden Zwischenspielen, etwa beim "Cäclie" nach einem Gedicht von Heinrich Hart, fehlt es dagegen an Energie. So schafft sie es nicht ganz, der wuchtigen Stimme und der intensiven Interpretation von Libor standzuhalten. Trotzdem: Dieser Abend mit zwei so hervorragenden Musikerinnen macht neugierig auf weitere Veranstaltungen dieser Art der Mainzer Singakademie
Claudia Bathe


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Mainzer Allgemeine Zeitung (7.12.2009)

Mit guten Klängen durch das Jahr

WEIHNACHTSORATORIUM Singakademie begeistert mit festlichem Konzert in St. Stephan

Von Meike Scharnitzky. Möge das Jahr mit guten Klängen durchzogen sein - mit musikalischen Konsonanzen und Dissonanzen, die Raum für neue Begegnungen schaffen", wünscht die Mainzer Singakademie im Programmheft. Und "gute Klänge" bescherte ihr 29-köpfiger Chor "Voces cantantes" ihren Zuhörern in St. Stephan. Mit den Teilen I, III, V und VI des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach stellten sie gemeinsam mit dem Mainzer Akademieorchester unter der Leitung von Alexander J. Süß Ausschnitte der biblischen Weihnachtsgeschichte musikalisch dar. Solistisch traten Britta Ströher (Sopran), Cordelia Weil (Alt), Carlos Patruzziello (Tenor) und Eric Förster (Bass) auf. Die Orchesterbesetzung zeichnete sich vor allem durch zwei Oboen d´Amore, Oboen der Zeit Bachs, aus. Anstelle der zu dieser Zeit typischen Naturtrompeten besetzte Süß das Blechbläserregister mit drei Piccolotrompeten. Mit deren brillant klarem Klang und wirbelnder Pauke begann das Weihnachtsoratorium festlich mit "Jauchzet, frohlocket", einer Parodie der Kantate "Tönet, ihr Pauken, erschallet, Trompeten".
Zart setzte einige Takte später der Chor ein. Wie die Orchestermusiker zeigte dieser von Beginn an höchste Konzentration und Präsenz. Mit scheinbarer Leichtigkeit erfüllte die Musik die gut gefüllte Kirche und präsentierte die Mächtigkeit der Musik Bachs. Durch harmonisches Zusammenspiel von Orchester und Chor erzielten die Musiker eine bemerkenswerte Klanghomogenität. Der majestätische und feierliche Choralvortrag aller Musiker stand im Kontrast zu den Arien und Rezitativen der Solisten und bildete einen Ruhepunkt.
Die ernste Interpretation der Choräle trägt der Tatsache Rechnung, dass Bach das Werk für den gottesdienstlichen Gebrauch zwischen Weihnachten und Epiphanias komponierte. Als Evangelist führte Patruzziello wohlklingend und klar verständlich durch die Weihnachtshistorie. In der Tenorarie "Nun möget ihr stolzen Feinde schrecken" bewies er zusätzlich Überzeugungskraft. Stöher und Weil, die kurzfristig für die erkrankte Barbara Ochs einsprang, beeindruckten durch ihre schlanken und feinen Koloraturen. Die Verzierungen verliehen ihren Stimmen einen Eindruck von Leichtigkeit. Beide zeigten ihr technisches Können in den teils stark alterierten Passagen. Die Stimme Försters erfüllte den Kirchenraum mit eleganten Koloraturen und warmen, vollem Klang.
Einfühlsam begleitet wurden die Rezitative meist durch Cembalo, Fagott und Kontrabass. Sehr deutlich vertonten die Musiker die kontrapunktischen Führungen der Musik Bachs sowie durch Ernsthaftigkeit seine tiefe Religiosität. Somit schafften sie nicht nur "gute Klänge", sondern auch einen gelungene Abschluss des zweiten Sonntags im Advent.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (11.11.2009)

Mächtige Klänge

KONZERT Requiem und "Miserere" in St. Stephan

Von Meike Scharnitzky. "Requiem aeternam dona eis, Domine: et lux perpetua luceat eis" - diese Worte erfüllen mächtig das Kirchenschiff von St. Stephan. Kaum fallen im Herbst die ersten Blätter, wird vielerorts Vergänglichkeit thematisiert. So auch beim Konzert der Chöre Voces Cantantes und Cantare Mainz, Chor der Mainzer Singakademie: Unterstützt vom Mainzer Akademieorchester brachten sie das "Miserere" von E.T.A Hoffmann und das Requiem von Robert Schumann zur Aufführung. In der vollbesetzten Kirche präsentierten die Musiker unter ihrem Dirigenten Alexander J. Süß zwei Werke, die zu Lebzeiten der Komponisten nie und später kaum aufgeführt wurden. Mit ihren souveränen, logischen und ausdrucksstarken Interpretationen der Werke überzeugten Chor, Orchester und Solisten.
Die inhaltliche und formelle Anlehnung Hoffmanns an Mozarts Requiem machten der circa 25-köpfige Chor und die knapp 30 Musiker des Orchesters deutlich, ohne die romantischen Merkmale des Werkes zu vernachlässigen. Im Wechsel mit den Solisten Christiane Libor (Sopran), Cordelia Weil und Simone Süß (Alt), Carsten Süß (Tenor) und Florian Plock (Bass) intonierte der Chor Akkorde und Melodien rein und sang stimmgewaltige Chorsätze. In Kontrast standen ausgesprochen lyrische Solopassagen, in denen die Gesangssolisten brillierten. Sehr deutlich zeigten die Sänger und Instrumentalisten die Kontraste von Dissonanz und Konsonanz in der Auflösung. Damit machten sie die Sehnsucht und das Streben Hoffmanns nach Reinheit der Akkorde für das Publikum erlebbar. Das Orchester vertonte die düstere Stimmung des Misereres, beruhend auf dem Text des 50. Psalms der Lutherbibel.
Die beeindruckende Homogenität von Chor, Orchester und Solisten blieb im Requiem von Schumann bestehen, welches mit einem 80 Sänger umfassenden Chor aufgeführt wurde. Mit einem die Kirche erfüllenden Klangvolumen zeigten sie die vielen Emotionen des Werkes. Die verklärte Bitte um ewiges Licht für die Toten stand mit ihrer getragenen, homophonen Deklamation in direktem Kontrast zu dem energischen, von Blechbläsern unterstützen Lobgesang zu Gott und dem lyrisch parallel erklingenden Kyrie. Die dynamische Ausarbeitung zeichnete sich durch fließende Übergänge aus. Mit der erneuten Bitte um ewiges Licht und Ruhe für die Toten endet das Requiem.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (1.4.2009)

Anmutig wie Morgendämmerung

Beeindruckendes Konzert von "Cantare Mainz", "Voces cantantes" und "Akademieorchester"

(ok). Passend zur Passionszeit präsentierten die Chöre "Cantare Mainz", "Voces cantantes" und das Mainzer Akademieorchester unter Leitung von Dirigent Alexander Süß ein Oratorienwerk von Haydn und mit dem Requiem in d-Moll (1791) die letzte Komposition von Mozart (1756 bis 1791).
Qualen, Schmerz und Wehklagen auf der einen Seite, Zuversicht und Heilsverkündung auf der anderen Seite: Das geniale Oratorienwerk "Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz" des genau vor 200 Jahren verstorbenen österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732 bis 1809) macht das Leiden in seinem Facettenreichtum plastisch. Bereits die Introduktion ließ erahnen, dass das Orchester dem nahezu meditativen Charakter des Opus voll gerecht werden würde. Anmutig wie seicht einsetzende Morgendämmerung an einem Tag, der kein Unheil erahnen lässt, war der Klang. Von kontemplativem Innehalten und Unterbrechungen geprägt, wurde dabei selbst das Nachhallen der Violinen im Kirchenschiff zum Wohlgenuss für die Ohren.
Die Chöre zeigten hier eine ansprechende Leistung. Es waren die kleinen Details, die besonders bei den Solisten zu gefallen wussten: Bei ihrem Duett im zweiten Satz "Fürwahr ich sage es Dir: Heute wirst du bei mir im Paradiese sein" präsentierten sich Sopranistin Marina Herrmann und Bass Stephan Klemm hervorragend aufeinander angestimmt. Herrmann gab mit betörend klarer Stimme eine Sentenz vor, und Klemm stimmte mit tiefem, sonoren Ton ein leicht Zeit versetztes Echo an. Leichtfüßige Koloraturen der Sopranistin dann auch im sechsten Satz "Es ist vollbracht". Überzeugend auch Guido Wolf (Tenor), der mit weichem Timbre intonierte, und Simone Süß (Alt) mit warmer und gehaltvoller Stimme.
Auch das "Requiem in d-Moll", in der Fassung von Franz Beyer, kam in St. Stephan voll zur Geltung. Mozart setzt dabei auf ein Zusammenwirken der stimmlichen Kräfte. Die klanglichen Antipoden, die brillant agierende Sopranistin Sharon Kempton auf der einen Seite und Bass Stephan Klemm auf der anderen Seite, verschmolzen nahezu im "Recordare" ohne ihre individuellen Charakteristika einzubüßen. Altistin Kaja Plessing und Tenor Carsten Süß hatten gemeinsam ihre stärksten Momente beim hochdynamisch vorgetragenen "Sanctus" unmittelbar vor dem Finale mit "Agnus Dei" und abschließendem "Communio".
Beim "Confutatis", der "Höllenvision", bestachen sowohl Chor und Orchester durch scharfe Rhythmik und ein Gespür für die dem Satz innewohnende Dramatik.


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Mainzer Rheinzeitung (1.4.2009)

Passion mit Licht und Schatten

Mainzer Singakademie überzeugt beim Konzert in St. Stephan nur partiell

MAINZ. Gegen Ende der Fastenzeit ist der Passionsmarathon eröffnet. In wenigen Tagen zweimal Matthäuspassion von Schütz und Bach in Dom und Johanniskirche und Bachs Johannespassion in St. Bonifaz. Trotz der Programmdichte folgen zahlreiche Menschen der Einladung der Mainzer Singakademie und des Akademieorchesters unter der Leitung von Alexander Süß in die Stephanskirche zu Haydns Passionsmusik "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz" und Mozarts Requiem.
Die meisten lassen sich dabei vorwiegend von Mozarts populärer Messe locken. Zurecht, denn Haydns Werk fügt sich nicht in das Bild als origineller Dramatiker. Statisch schleppt sich die Komposition im monotonen Lento und Grave von Nummer zu Nummer, sodass der einzige Höhepunkt, das abschließende Erdbeben, eher erlösend als tragisch wirkt. Hinzu kommt, daß Süß zu einer langsamen Tempoauslegung tendiert, was sicherlich auch den schwierigen Raumverhältnissen geschuldet ist. Vorteil der schwammigen Akustik ist, dass der rührselige Text weitgehend unverständlich bleibt, den insgesamt sichere und engagierte Sänger und Solisten vortragen.
Umso gespannter richten sich die Erwartungen auf Mozarts Requiem, das, geradezu konterkarierend zu Haydns Werk, von dramatischen Pointen und gewaltigen Gegensätzen gezeichnet ist. Ebenso kontrastreich wie die Dramaturgie ist jedoch die musikalische Umsetzung, die an diesem Abend Licht- und Schattenseiten offenbart. Erfreulich sind die dynamischen Steigerungen, in denen Süß alles aus den Musikern herausholt. Weniger gelungen sind die oft zu lang genommenen Zäsuren zwischen den Nummern, wodurch Kontraste kaum zum Tragen kommen und der Spielfluss abhanden geht. Einen der schönsten Momente des Stücks, der fließende Übergang vom Confutatis zum Lacrimosa, wird zudem durch den schrägen Klang der zu dünn besetzten Violinen vereitelt. Wiederum gelungen ist die Schlussfuge, mit denen die Musiker einen markanten Glanzpunkt setzen. (...)
Matthias Krautkrämer


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Mainzer Allgemeine Zeitung (9.12.2008)

Sanfte Töne und silbriger Klang

"Voces cantantes" stimmen mit Bachs Weihnachtsoratorium besinnlich

Der Konzertchor "Voces cantantes" hat Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in St. Stephan aufgeführt.

Von
Birgit Knape

Für Anhänger der klassischen Musik gehört das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach genauso unverzichtbar zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Spekulatius. Wie schön, wenn sich dann auch noch ein Ensemble des Werkes angenommen hat, das seinen Qualitäten gewachsen ist. Der Konzertchor "Voces cantantes" besteht seit 1985, alle Mitglieder werden stimmlich individuell ausgebildet, und für seine Leistungen gewann er bereits mehrere Preise. Seit Oktober 2003 steht der Chor unter der Leitung von Alexander J. Süß, gebürtiger Mainzer und mittlerweile ständiger Dirigent der Prager Philharmoniker. Begleitet wurde der Chor durch das "Mainzer Akademieorchester", das aus der Zusammenarbeit mit Alexander J. Süß entstanden ist. Ihm gehören erfahrene Musiker ebenso an wie Studenten, eine Mischung die für viel Engagement steht, besonders bei der Aufführung der großen Oratorienliteratur.
Dass sich die Qualitäten des Orchesters nicht auf die Begleitung beschränken, wird bei instrumentalen Stücken, wie der "Sinfonia" des Weihnachtsoratoriums von Bach überdeutlich. Zwei so hervorragende Ensembles haben Anspruch auf ausgezeichnete Solisten, die Süß für die Aufführung in der Kirche St. Stephan gewonnen hat: Sopranistin Franziska Kern stammt aus Dresden, wo sie auch ihre erste musikalische Ausbildung erhielt. Nach Stipendien und Meisterkursen ist sie jetzt als Solistin am Staatstheater Nürnberg beschäftigt. Mezzosopranistin Susanne Reinhard übernahm den Part der Alt-Stimme des Oratoriums, bei Gastauftritten war sie in Mainz schon früher zu hören. Ebenfalls viel Lob von den Kennern unter den Zuhörern in St. Stephan erhielt Stephan Klemm (Bass), der international im Konzertfach sehr gefragt ist. Als Evangelist wurde Tenor Carsten Süss gewonnen, auch ihn führte seine musikalische Laufbahn von Mainz in die ganze Welt. Ihm gelingen die sanften Töne, nur von Cembalo und Flöte begleitet, genauso gut wie die Klangfülle. Als jubilierendes Finale wählte Süß die Wiederholung des ersten Chores aus Kantate I, "Jauchzet, frohlocket", wodurch die Aufführung des "halben" Weihnachtsoratoriums, nämlich Kantaten I bis III, einen runden Abschluss erhielt. Pauken und Trompeten verliehen dem Jubel Nachdruck und einen silbrigen Klang, der alle mit Weihnachten verbundenen Hoffnungen auf überzeugende Weise zum Ausdruck brachte. Kein Wunder, dass am Ende des Konzertes nach hervorragender Musik dann begeisterter Applaus den Kirchenraum von St. Stephan erfüllte.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (12.11.2008)

Elias belebt Kirchenraum

Alexander J. Süß gibt Mendelssohn-Werk Gestalt

Alexander J. Süß hat mit "Cantare Mainz", der Mainzer Singakademie, den "Voces cantantes", dem Mainzer Akademieorchester sowie dem Orchester der Singakademie Mendelssohns Elias in St. Stephan aufgeführt.

Von
Ingrid Hermann

Viele Menschen hatten den Weg zu St. Stephan gefunden, und der hohe Kirchenraum lebte in wunderbaren Klängen mit Mendelssohns Elias. Die Gestalt des Elias nimmt immer wieder gefangen. Gott beruft ihn, und er lebt für diesen Auftrag. Eigentlich ist er stets allein, ja fast einsam. Er tritt gegen alles Feste, Etablierte ein und kämpft für die Freiheit des Volkes Israel. Und so ist es kein Wunder, dass die Juden, als sie Johannes den Täufer einzuordnen versuchen, auf Elias kommen.
Allerdings benötigt man für die Titelpartie einen Sänger wie Michael Nagy mit ausdrucksstarkem Bass und hervorragender Diktion, der vieler Schattierungen fähig ist. Man spürt die innere Gebundenheit an das Geschehen etwa in der Arie "Es ist genug", wohl ein Selbstporträt Mendelssohns. Dieser hatte schon früh den Gedanken, Elias zur Titelgestalt eines Oratoriums zu machen. Das Werk besitzt eine dramatische Konzeption, ist aber nicht frei von lyrischer Emphase. Da gibt es keine fortlaufende Handlung, sondern Bilder und Szenen. Das Visionäre wird betont. Man spürt den Enthusiasmus für den biblischen Text. Der Schluss ist messianisch-christologisch.
Alexander J. Süß hatte mit "Cantare Mainz", der Mainzer Singakademie, den "Voces cantantes", dem Mainzer Akademieorchester sowie dem Orchester der Mainzer Singakademie ein Ensemble von Rang aufgeboten. Das zeigte sich schon bei der Ouvertüre, einer Fuge, die die Dürre malt und durchsichtig geboten wurde. Der Dirigent holt die Höhepunkte temperamentvoll heraus, setzt Akzente sehr bewusst und ist den lyrischen Passagen ein überzeugender Interpret. Mit der diffizilen Akustik kommt er gut zurecht.
Wichtiger Träger des Geschehens ist der Chor. Das erkannte man sehr überzeugend an der Keimzelle des Werkes, jener Szene aus dem 1. Buch der Könige, wo es heißt, dass der Herr vorüberging und zwar im "stillen sanften Sausen". Spannung und Nachdenklichkeit werden spürbar und ergreifen immer wieder von neuem.
Die Solisten haben deutlich Anteil: Carsten Süß mit klar geführtem, expressivem Tenor. Ina Stachelhaus (Sopran) hat zunächst kleine Intonationsprobleme, holt aber rasch auf. Barbara Arneke verfügt über einen klangvollen Alt, Jutta Steinmetz bewährt sich vor allem als Knabe. Michael Nagy ist der alle überragende Vertreter des Elias.
Am Ende große Zustimmung eines gespannt lauschenden Publikums.


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Mainzer Rheinzeitung (11.11.2008)

Konzert bezeugte jüdisches Leiden

Mainzer Singakademie lud zu "Elias"

MAINZ. "Baal! Gib uns Antwort Baal!", brüllen die verzweifelten Propheten unisono in den Raum. Doch niemand antwortet. Für einen Augenblick ist kein Klang, keine Harmonie zu hören. Das Orchester schweigt, denn wo kein Gott ist, ist Leere. Die falschen Propheten sind verdammt, denn sie haben die Herausforderung von Elias angenommen und sich auf dem Berg Karmel versammelt, um herauszufinden, wer der wahre Gott ist.
Die Botschaft des Oratoriums "Elias" (1846) von Felix Mendelssohn-Bartholdy ist eindeutig: "Ich bin der Herr dein Gott, der da heimsucht der Väter Missetat." Die Mainzer Singakademie und das Mainzer Akademieorchester unter der Leitung von Alexander J. Süß haben sich das Werk sehr bewusst anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht ausgesucht und in St. Stephan aufgeführt. Denn alles bezeugt an diesem Abend den Leidensweg des jüdischen Volkes, die Fenster des vor den Nazis geflüchteten Marc Chagall, die Geschichte des Alten Testaments und schließlich der Komponist mit seiner Musik, die ebenso antisemitischen Anfeindungen standhalten musste. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass der Jahrtausende alte Text nicht an Aktualität verloren hat. Denn er markiert den historischen Wandel zum Monotheismus und thematisiert den Zusammenprall der Ideologien sowie die Folgen von Fanatismus. So drängen sich mit den Göttern und Propheten des Baalkults, der Dürre und Elend mit sich bringt, unweigerlich Assoziationen mit den Verführern der Nazi-Zeit auf.
Die inneren und äußeren Konflikte, die Elias bei seinem Auflehnen bewältigen muss, gibt Mendelssohns Musik kontrastvoll und markant, fast opernhaft, preis, so dass der Zuhörer sich die Szene bildlich vorstellen kann. Die Musiker strahlen bei der perfekten Umsetzung dieser Dramatik unglaubliche Sicherheit aus. Denn das Oratorium ist ein häufig gespieltes Werk der traditionsreichen Mainzer Singakademie. Von den zahlreichen erfahrenen Solisten ist vor allem Michael Nagy hervorzuheben, der mit seiner überzeugenden Bass-Partie des Elias unterstreicht, warum dieses Werk zu den meist gespielten Kompositionen zählt. Matthias Krautkrämer
Am Sonntag, 7. Dezember, 18.30 Uhr, spielen Chor und Orchester in St. Stephan das Weihnachtsoratorium von Bach. Karten gibt´s unter: www.mainzersingakademie.de


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Mainzer Rheinzeitung (6.1.2008)

Der Schritt vom eher Kantablen zum Expressiven

Konzert der Singakademie und der Prager Philharmoniker unter Leitung von Alexander J. Süß bot die "Eroica" von Beethoven

(...)Musikdirektor Alexander J. Süß, der sowohl Leiter des hiesigen Akademieorchesters und der Singakademie als auch Dirigent der Prager Philharmoniker ist, hatte seine tschechischen Musiker für zwei Tage nach Mainz geholt. Er demonstrierte, wie achtungsvoll selbstverständlich dieses Ensemble mit der Wiener Klassik umgeht. Vor der dritten stand die "Sinfonie Nr. 1 C-Dur, op. 21" auf dem Programm. Das Publikum konnte also den revolutionären musikalischen Entwicklungsschritt des Meisters vom 18. zur ersten großen Sinfonie des 19. Jahrhunderts verfolgen: vom eher Kantablen zum Machtvoll-Expressiven, das Alexander J. Süß mit deutlichem Körpereinsatz dirigierte. Im Dialog wie im Zusammenspiel agierten Streicher und Bläser äußerst präzise und lebendig. Es war wohl kein Zufall, dass der feierliche Trauermarsch des zweiten Satzes dem in der böhmisch-österreichischen Musikkultur verwurzelten Orchester besonders lag. "Ermüdet", wie der Komponist seinerzeit befürchtet haben soll, hat die Musik selbst nach 200 Jahren eindeutig niemanden. Die kompetenten Zuhörer ... bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus und Bravorufen (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.1.2008)

Prager Philharmoniker brillieren mit Beethoven

Einen großartigen Erfolg haben die Prager Philharmoniker bei ihrem Konzert zum Tag der deutschen Einheit im Kurfürstlichen Schloss gefeiert. Mit stehend dargebrachten Ovationen wurden die Musiker, die Ludwig van Beethovens erste und dritte Sinfonie intoniert hatten, erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen.
Im Gegensatz zur bisherigen Tradition, am deutschen Feiertag Beethovens Neunte "Ode an die Freude" erklingen zu lassen, widmeten sich Alexander J. Süß, Musikdirektor der Mainzer Singakademie, und sein Orchester den früheren Werken des großen Komponisten. Wenngleich der 3. Oktober wie kein anderer Tag für eine friedliche Revolution stehe, insbesondere für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit, wollte man die Neunte nicht durch ständige Wiederholung zur sinnentleerten Feiermusik verkommen lassen. Andererseits war Beethoven zeitlebens großer Anhänger der Französischen Revolution.
Die klassische Struktur der ersten Sinfonie haben Bläser, Streicher und Schlagwerk hervorragend herausgearbeitet und gleichzeitig Beethovens stetigen Perspektivenwechsel um wenige zentrale Motive aufgezeigt. Doch letztlich verdankten sie den vier kontrastierten Sätzen der dritten Sinfonie, der Eroica, den überwältigenden Applaus. Diese Sinfonie schrieb Beethoven ursprünglich zu Ehren Napoleons unter dem Titel "Sinfonia grande, intitolata Bonaparte". Nach dessen selbst inszenierter Kaiserkrönung 1804 hatte das durchaus revolutionäre musikalische Werk ein Jahr später als "Heroische Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern" in Wien Uraufführung.
Die Eroica stürzt Musiker wie Zuhörende in einen fulminanten Kopfsatz, der allerlei Feinheiten bereithält. Nach einem "Marcia funebre" und "Scherzo" kredenzt der Komponist einen Cocktail sehr individueller Motive. Neben schnelle Passagen stellt er ruhigere, teils solistisch als Streichquartett umgesetzte Passagen, die von den Philharmonikern mit beherzter Virtuosität veredelt werden.(...)


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Mainzer Rheinzeitung (23.9.2008)

Konzert festigt Glauben

Voces Cantantes singen in St. Stephan Werke von Renaissance bis Romantik

MAINZ. Anfangs lag noch ein sanfter blauer Schimmer über dem Kirchenraum. Doch bald schon schwand jede Außenwelt ganz und gar dahin. Das lag nicht nur an der einbrechenden Dunkelheit, sondern vor allem an dem, was in der Kirche passierte. Denn reiner Chorklang eroberte den Raum, machte ihn sich zu eigen: St. Stephan feierte das 30-jährige Jubiläum der Chagall-Fenster mit einem Konzert der Voces Cantantes.
Und mit einer passenden Auswahl Musik: Werke, die zwar ein Außen mit sich bringen, im Kern aber ganz auf sich selbst konzentriert bleiben, hatte Alexander Süß für seinen Kammerchor ausgesucht. Denn in allem, was hier erklang, geht es um Gott, den Glauben und die Zweifel der Christen - ob mit Musik aus der Renaissance oder der Romantik, egal ob nun Jacobus Gallus, Johannes Brahms oder Felix Mendelssohn Bartholdy christliche Texte vertonen.
Kern des Konzertes waren Psalmvertonungen von Mendelssohn Bartholdy. Und die trugen schon so viel Vielfalt in sich, dass sie allein ausgereicht hätten. Denn die Voces Cantantes bemühten sich sehr und mit hörbarem Erfolg um eine passende Klanggestalt für jeden Satz, fast sogar für jedes Wort. Immer wieder suchte - und fand - Süß die treffendste Ausdrucksform.
Und die Chorsänger folgten ihm willig. Ob es nun die durchweg flexiblen Tempi, die weichen Einsätze oder der strahlend triumphierende Schlussakkord waren - immer blieben sie eine homogene Einheit. Dadurch blieben alle Gemütslagen der Musik nicht nur erfahrbar, sondern auch verständlich. Der Zweifel an der Gerechtigkeit Gottes leuchtete ebenso unmittelbar ein wie die unbeirrbare Festigkeit des Glaubens und die Freude an der Geborgenheit in Gottes Hand.(...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (3.1.2008)

Eindrückliche Krippenszene

Die letzten drei Kantaten des Bach´schen Weihnachtsoratoriums sind für die Zeit nach dem Weihnachtsfest konzipiert. Voces cantantes und das Mainzer Akademieorchester haben diese Tradition aufgenommen und nun in der ausverkauften Kirche St. Stephan diese Kantaten aufgeführt. Unter der Leitung von Alexander J. Süß gelang dabei eine bisweilen bestechende Aufführung. Dies war besonders einer dramatischen Interpretation geschuldet, die ihren Höhepunkt in der sechsten Kantate fand.
Der Gegensatz zwischen der äußeren Welt der "schnaubenden Feinde", in denen sich schon der Kindermord von Bethlehem ankündigt, wurde von Süß eindrucksvoll mit dem Choral "Ich steh an Deiner Krippen hier" kontrastiert, der fast statisch den Raum füllte. Der Chor zeigte hier nicht nur seine Klangfülle, sondern evozierte mit großer Intimität die Ergriffenheit der ärmlichen Stallszene. Das Akademieorchester war dabei ein bestens aufgestellter musikalischer Partner. Neben der klanglichen Balance und Präzision in der Artikulation des Orchesters bestachen vor allem die Bläser, von denen besonders Ludovic Achour (Oboe) sowie Gerhard Schultheis und Edgar Sterkel (Trompete) glänzend aufgelegt waren.
Das Solistenquartett unter Führung von Carsten Süß als Evangelist ergänzte Chor und Orchester nahezu perfekt. Der junge Tenor gefiel nicht nur durch seine Textorientierung in den Rezitativen, sondern auch durch seine Stimmführung in den Arien, die Leichtigkeit und Klangschönheit paart. Ina Stachelhaus mit ihrem zarten und klaren Sopran, Tamara Gura mit dunkel timbrierter, aber sehr konturierter Altstimme rundeten mit dem kultivierten und kernigen Bass von Thomas DeVries den positiven Eindruck dieses Konzertes zum Jahresschluss ab.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (4.12.2007)

Harmonie im Wechselspiel

Weihnachtsoratorium mit „Voces Cantantes“

Auch der Chor „Voces Cantantes“ und das Mainzer Akademieorchester der Mainzer Singakademie unter der Leitung von Alexander J. Süß präsentierten in St. Stephan die Kantaten I-III des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Bei dieser geistlichen Komposition handelt es sich um eines der berühmtesten und meist aufgeführten Stücke des Barockkomponisten. „Es ist unsere Tradition, das Weihnachtsoratorium am 1. Adventswochenende aufzuführen“, sagt Axel Hoock von der Mainzer Singakademie. „Ein neuer Versuch wird es dieses Jahr sein, die Kantaten IV bis VI zwischen Weihnachten und Neujahr, am 30. Dezember, aufzuführen. Denn sie handeln ja von der Zeit nach Christi Geburt“, erklärt er.
Die Mainzer Singakademie (MSA) wurde 1831 gegründet und ist damit der älteste Kulturverein in Mainz. In diesem Jahr begrüßte man neben dem Zusammenschluss mit „Cantare Mainz“ auch das Vokalensemble „Voces Cantantes“ als neues Mitglied. Der 1985 entstandene Chor wurde schon mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, gewann unter anderem 1990 den internationalen Prager Chorwettbewerb. Im Oktober 2003 übernahm Alexander J. Süß die musikalische Leitung. 2005 folgte zudem die Leitung der Mainzer Singakademie. Das gemeinsame Ziel, das Mainzer Kulturleben mit Konzerten zu bereichern und zu prägen, wird von ihnen auch an diesem Samstagabend erreicht. Die Kirche St. Stephan auf dem Stephansberg ist schon eine halbe Stunde vor dem Beginn des Konzertes fast bis auf den letzten Platz besetzt. „Rund 400 Leute sind heute da, die Kirche ist voll“, freut sich Axel Hoock.
Das Konzert beginnt mit dem Chorgesang „Jauchzet, frohlocket“ und ein facettenreiches und harmonisches Zusammenspiel der Stimmen erfüllt die Kirche. Herausragend sind auch die Solisten dieses Abends, Ina Stachelhaus (Sopran), Tamara Gura (Mezzosopran), Albertus Engelbrecht (Tenor) und Thomas de Vries (Bass), die die Weihnachtsgeschichte im Wechsel mit den Chorgesängen darbieten. Der Einklang von Orchester und Sängern ist überragend, das stimmungsvolle Wechselspiel mit Chor und Bassist Thomas de Vries in der Arie der ersten Kantate nur ein Beispiel der perfekt aufeinander abgestimmten Komponenten. Die stehenden Ovationen am Ende des Konzertes sagen mehr als 1000 Worte. (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (30.11.2007)

Kompakter Klang

Haydns "Cäcilienmesse" mit "Cantare Mainz"

Nachdem in den Vorjahren schon Haydns "Schöpfung" und "Die Jahreszeiten" aufgeführt wurden, hat sich der Chor der Singakademie, "Cantare Mainz", nun in der Gonsenheimer Stephanskirche an die seltener aufgeführte Cäcilienmesse in Verbindung mit der Sinfonie Nr. 44 gewagt. Das Mainzer Akademieorchester, das erstmals unter diesem Namen auftrat, gestaltete die Sinfonie überaus sicher und vielfältig. Unter der Leitung von Alexander J. Süß entstand eine klangvolle, manchmal pathetische Interpretation - besonders in den Streichern mit ansprechender Detailverliebtheit in den Phrasierungen ...
Bei der Cäcilienmesse bewies Süß einmal mehr seine Fähigkeit, einen großen Chor zu einer imposanten Leistung zu führen. Mit dem kleinen Kunstgriff, die Männerstimmen vor den Frauenstimmen zu positionieren, gelang es ihm, den etwas Sopran dominierten Chorklang auszubalancieren. Es entstand ein höchst kompakter Klang, der sich zu einem gewaltigen Forte ebenso steigern wie sich auch in fast sanften Klangflächen etwa zu Beginn des "Sanctus" zurücknehmen konnte.
Höchst gelungen die Wahl der Solisten: Mit Diana Tomsche stand ein klarer, leicht geführter Sopran zur Verfügung, der im "Laudamus te" zu überzeugen wusste. Carolin Masur setzte mit ihrem warmen und kernigen Alt ebenso Akzente wie Mathias Mann, dessen sensibel geführter Bass besonders in den höheren Lagen überzeugte. Tenor Juan Carlos Falcón bestach mit ausdrucksstarker Stimme vor allem beim "Incarnatus est".


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.6.2007)

Klänge mit Seltenheitswert

Kammerchor "Voces cantantes" singt Rossinis "Petite Messe solennelle"

Es ist immer schon mal lobenswert, wenn sich Dirigenten und ihre Instrumental- oder Vokalensembles dazu durchringen können, klassische Kompositionen abseits der ausgetreten Pfade zur Publikumsgunst zu beschreiten - leere Ränge sind nicht selten der zweifelhafte Lohn dafür.
Zwar war das Kirchenschiff in St. Johannis nicht bis auf den letzten Platz besetzt, doch das Interesse am jüngsten Konzert der "Voces cantantes" unter Leitung von Alexander J. Süß war durchaus vorhanden: Die "Petite Messe Solennelle" von Gioacchino Rossini (1792-1868) ist nun kein allzu unbekanntes Werk, wird aber dennoch selten aufgeführt - denn wo treibt man schon mal ein Harmonium auf? Die Messe für Chor und Solistenquartett (übrigens das letzte Werk, mit dem Rossini 1864 öffentlich als Komponist auftrat), wird begleitet von Flügel und eben jenem Tasteninstrument, das klanglich entfernt an ein Akkordeon oder eine in Watte gepackte Orgel erinnert.
Marta Waluga (Flügel) und Daniel Kaiser (Harmonium) erwiesen sich als einfühlsame Begleiter, wobei Waluga ihr Preludio religioso trotz manch großer Geste als ansprechenden Ruhepunkt gestaltete. Der Kammerchor "Voces cantantes" zeigte sich intonationssicher und verstand es, die verschiedenen Facetten der Messe, die vom asketischen Kontrapunkt über üppige homophone Sätze bis zur romantisch gesättigten Harmonie reichen, farbenfroh zu gestalten. Dirigent Alexander J. Süß war sehr an einer dynamisch schlüssigen Gestaltung gelegen, die die "Voces cantantes" mühelos von ihrem Chorleiter abnahmen.
In den Reihen der Solisten konnte vor allem der Bass von Guido Jentjes begeistern: Profund und kraftvoll, ohne je zu viel Druck oder gar Gewalt in seine Stimmführung zu investieren, füllte er den Kirchenraum von St. Johannis wohlklingend aus. Ina Stachelhaus` Sopran und Gabriele Meys Alt kamen mit einer wohldosierten Kernigkeit daher, und Tenor Carsten Süß beeindruckte durch angenehmes Timbre...
Rundum kann man also von einer mehr als gelungenen Aufführung sprechen, da nicht nur das Zusammenspiel der beiden Instrumentalisten mit dem vokalen Klangkörper, sondern auch die gemeinsamen Partien von Solisten und Chor wirklich überzeugen konnten.


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Badische Neueste Nachrichten (4.6.2007)

Klein und feierlich

Rossinis „Petite Messe Solennelle“ in der Johanniskirche

Ein Italiener kann nicht von der Oper lassen, auch wenn er geistliche Musik schreibt, möchte man meinen, wenn man Verdis Requiem hört oder oder wie jetzt in der Johanniskirche, die „Petite Messe Solennelle“ von Gioacchino Rossini. Manche Kantilene könnte man sich ebenso gut auf einer Opernbühne vorstellen, gerade auch dann, wenn sie von so trefflichen Künstlern dargeboten werden, wie jenen, die sich nun in dem Gotteshaus am Indianerbrunnen zusammengefunden hatten, um Rossinis Alterswerk einer viel zu kleinen Gemeinde darzubieten: die Sopranistin Ina Stachelhaus, die Altistin Gaby May, der Tenor Carsten Süß, der Bassist Guido Jentjens und das von Alexander J. Süß temperamentvoll und präzise geleitete Vokalensemble „voces cantantes“. In Anlehnung an die ursprüngliche Anlage der Messe bestand die instrumentale Begleitung aus Klavier und Harmonium, ein Part,der zuverlässig und sensibel von der Pianistin Marta Waluga und dem Organisten Daniel Kaiser bewältigt wurde.
Neben dem „Stabat Mater“ ist dieses viel zu selten erklingende Messejuwel Rossinis zweite kirchenmusikalische Schöpfung. Äußerlich ein Gelegenheitswerk des 70-jährigen Komponisten, geschrieben zur Einweihung der Privatkapelle eines adligen Freundes, trägt die Messe doch höchst persönliche, bekenntsnishafte Züge und das Opernkolorit, dass man dieser Musik zunächst vorwarf, ist eine große Bereicherung. Gerade in den solistischen Teilen wie der Tenorarie „Domine Deus, rex celestis“, die von Carsten Süß mit großer Klarheit dargeboten wurde, oder der Bassarie „Quoniam tu solus sanctus“, die Guido Jentjens mit leidenschaftlicher Wucht vortrug, wird dies hörbar.
Dass mit den „voces cantantes“ ein kompetentes, höchst engagiertes Ensemble erwachsen ist, zeigte sich in Stücken wie „Cum sancto spiritu“, im „Credo“ oder in dem sehr bewegten „Et resurrexit“, Stücken, in denen der Chor seine hohe Gesangskultur eindrucksvoll zur Geltung bringen konnte. Auch mit den beiden Solistinnen war eine glückliche Wahl getroffen. So konnte die Sopranistin Ina Stachelhaus in den ihr zugewiesenen Arien „Crucifixus“ und „O salutaris“, die einen enormen Stimmumfang voraussetzen, ebenso vollständig überzeugen wie die Altistin Gabriele May, die dass die Messe abschließende „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi“ zu einem bewegenden Höhepunkt steigerte.
„Das ist keine Kirchenmusik für euch Deutsche, meine heiligste Musik ist doch nur immer `semi seria`“, also teils heitere, teils ernste Opernmusik, meinte Rossini über „die letzte Todsünde seines Alters“, eben seine kleine feierliche Musik. In diesem Punkt dürfte er sich getäuscht haben.
Claus Dieter Hanauer


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Mainzer Allgemeine Zeitung (15.12.2006)

Exklusives Musikerlebnis

"Lobgesang" zu Ehren Marc Chagalls

Zum 25. Jahrestag der Ernennung Marc Chagalls zum Ehrenbürger der Stadt Mainz gedachten der Förderverein "Biblische Botschaft Marc Chagall" und die Katholische Kirchengemeinde St. Stephan des Künstlers vor dem Hintergrund seiner Kirchenfenster. Der "Lobgesang, Sinfonie-Kantate op. 52 in B-Dur" des ... Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy erwies sich dafür als vortreffliches Programm, da er einen weiteren Bezugspunkt zur Stadt bildet: Mendelssohn hatte seine Festmusik seinerzeit anlässlich des 400. Gutenberg-Jubiläums komponiert. Die Aufführung wurde dargeboten von "cantare mainz", der "Mainzer Singakademie" und dem "Mainzer Oratorienorchester" sowie den Sopranistinnen Christiane Libor, Silvia Späth und Tenor Carsten Süß unter der Leitung von Alexander J. Süß.
Vital klangen die drei eröffnenden Instrumentalpartien, in der Färbung bewusst bescheiden. Die enthusiastische Grundstimmung war so weit gezügelt, dass sie nicht Gefahr laufen konnte in Hysterie auszubrechen. Trotz des Halls der Kirchenwölbung waren die Stimmsätze durchsichtig und ließen Nuancen erkennen. Vielleicht waren es auch genau diese akustischen Umstände, die die Interpretation als so geschmeidig empfinden ließen. Chor und Orchester, sauber aufeinander abgestimmt, klangen kraftvoll und feinfühlig zugleich.
In den frischen Wandlungen von Chorsätzen, Rezitativen und Arien glänzten die Sänger intonationsfest mit großer Reife. Die Stimmen der Solisten waren klar präsent.
Flüssige Kontrapunktik der Figural-Passagen verlieh der schweren Musik eine kurzweilige Gefälligkeit. Süß ließ Mendelssohns Expressionsmacht in der diatonischen Erstrahlung des Lichts nach der Dunkelheit neue Impulskraft schöpfen, um die Gesangsstimmen schließlich im Unisono des Chorals "Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen" zu bündeln.
Die Akteure sorgten mit professioneller Leistung dafür, dass Mendelssohns eher selten vorgetragener Lobgesang dem Publikum als exklusives Musikerlebnis in Erinnerung bleiben kann.


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Mainzer Rheinzeitung (29.11.2006)

Lobgesang mit hoher Intensität

Jubiläumskonzert der Singakademie mit Mendelssohn in St. Stephan

Es gibt sie noch: die Mainzer Singakademie. Dass sie nach 175 Jahren auch noch singen kann, stellte sie in einem Festkonzert mit dem Mainzer Oratorienorchester in St. Stephan wohlklingend unter Beweis - allerdings nicht allein aus eigener Kraft, sondern unter Mitwirkung von "Cantare Mainz".
Der "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy, eine Symphonie-Kantate, bietet den Instrumentalisten wohl genutzte Entfaltungsmöglichkeiten. Das Orchester schwimmt trotz hallender Akustik kaum und kommt zackig-pompös daher, wiegt sich dann anmutig im tänzerischen Pizzicato (...) Solisten und Chor bestechen durch nahezu erschlagende Intensität und feinfühlig- musikalische Intelligenz.
Ein wenig enttäuschend ist leider Sopranistin Irina Sokolowskiy: Mit pathetischem Tremolo durchbricht sie selten die Schallmassen des agilen Chores und erblasst neben Silvia Späth, die als zweiter Sopran trotz des geringen Gesangsanteils mit präsenter Leichtigkeit und klarer, schöner Stimme überzeugt. Tenor Carsten Süß schöpft aus der Bandbreite seiner stimmlichen Wandlungsfähigkeit, balanciert gekonnt zwischen zerreißendem "Hüter, ist die Nacht bald hin?" und würdevollem "Ewig dein Lob, du treuer Gott!", immer in sprühender Plastizität und wohldosierter Dynamik.
Alexander J. Süß führt mit immer wachem Dirigat Orchester und Chor zu klanglich differenziertem Spiel, meist ohne durch die Präzision im Kleinen den größeren Zusammenhang aus dem Auge zu verlieren. Süß verklanglicht in kontrastreicher Lautmalerei die Interpretation des Textes, düster chromatisch erstirbt die Musik zur Nacht, um mit dem Sonnenaufgang neu zu erblühen: Musik, die unter die Haut geht.


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Mainzer Rheinzeitung (6.12.2006)

Reiche Erfahrung kann sich auszahlen

Weihnachtsoratorium mit den voces cantantes

(...) Weihnachtsoratorium und die voces cantantes: das ist eine sichere Bank. Gerade einmal zwei Dutzend Sänger, diese dafür jedoch allesamt seit vielen Jahren stimmbildnerisch betreut ... - eine Erfahrung, die sich auszahlt. Die Sängerinnen und Sänger gleiten so ungefährdet durch die Koloraturen und Fugen des anspruchsvollen Bachwerkes, dass man mit diesem Chor sicherlich auf Zuruf auch sicherlich nachts um drei eine ordentliche Aufführung zustande brächte. Da sind die Stimmen wunderbar aufeinander eingestellt, da klingen keine Stimmen solistisch heraus - vielmehr ist an ausgeglichenem Chorklang und Souveränität für ein Ensemble mit ambitionierten Laien nicht drin.
Bei den jetzt musizierten drei ersten Kantaten des "Weihnachtsoratoriums" konnten die Zuschauer von diesem Erfahrungsschatz zehren - und von den ganz unterschiedlichen Gesangssolisten des Abends. Selbstverständlich gehört Carsten Süß zu den Konzerten seines Bruders dazu: Der Tenor feiert Erfolge an den Opernhäusern auch in Wiesbaden ... oder Frankfurt ... Als Bachscher Evangelist ist er eine sehr klangvolle Alternative (...). Neben dem Tenor hat die Altistin am meisten zu tun: Caroline Masur wirft sich mit ihrem Mezzosopran in eine aufregende Textausdeutung, die auch erotische Zwischentöne kennt. Bariton Johannes Martin Kränzle ist ebenfalls ein gewitzter Textausdeuter - das stimmliche Pulver hatte er eindrucksvoll in der "Großer Herr"-Arie mit vollen Händen verschwendet.(...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.12.2006)

Erfüllt von feierlicher Pracht

"Voces Cantantes" singen Bachs Weihnachtsoratorium in St. Stephan

(...) Dass das Werk zu den wohl berühmtesten und am häufigsten aufgeführten geistlichen Kompositionen überhaupt gehört, ist für den Chor "Voces Cantantes" unter der Leitung von Alexander J. Süß Vorteil und Bürde zugleich: In das Konzert ... in St. Stephan strömt das Publikum auch ohne große Werbung.
Bombastisch und mit allem Pomp, der der Einsatz von Pauken und Trompeten im Auftakt-Chor erlaubt, zaubert das Ensemble feierlich-barocke Pracht in die abendliche Stephanskirche. Das Orchester spielt ungemein frisch auf und ist für den ... Chor ein ebenbürtiger Begleiter (...)
Johannes Martin Kränzle gelingen mit seinem voll-tönenden Bass Arien und Komentierungen zur Rolle des Hirten im Heilsgeschehen ... bravourös. Carolin Masur artikuliert sauber, singt die Alt-Partien hingebungsvoll und geht auch in ihrer Körpersprache voll in der Musik auf. Carsten Süß meistert auch die Koloraturen in der Tenor-Arie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet" problemlos (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (5.10.2006)

Nachhaltiger Freudenruf

Alexander J. Süß dirigiert im Schloß Beethovens Neunte Sinfonie

Dirigent Alexander Süß beließ dem ersten Satz den Eindruck einer Introduktion - Vorbereitung auf das krönende Finale. Aber auch die lyrischen Partien gewinnen Gewicht. Das folgende Scherzo wirkt drohend, fast koboldartig, wie ein Perpetuum mobile in seiner Rastlosigkeit, aber auch mit dämonischen Zügen, hervorgerufen durch wechselnde Metren, während das Trio für Entspannung sorgt. Das Adagio mutet an wie eine Einkehr in schöpferische Stille. Die wundervoll geführte Melodie wird ins Unendliche ausgeweitet. Das Orchester - die Prager Philharmoniker KSO - leistet hier Besonderes. Es gibt erfühlte Übergänge und leuchtende Farben. Der Dirigent wahrt die große Linie und lässt die einzelnen Instrumente dezent hervortreten. (...)
In den beiden Chören "Cantare Mainz" und "Voces Cantantes" steht Alexander J. Süß ein versiertes Ensemble zur Verfügung, das auch über beachtliche Reserven verfügt, sodass der Freudenruf durch den Saal hallte. Gregory Frank war ein ausdrucksstarker Bass, während Carsten Süß mit dem Wohllaut seines Tenores gefangen nahm. Silvia Späth gab der Altpartie Schmelz, während der Sopranistin Christiane Libor die schwerste Aufgabe zugefallen war. Die ausufernde Partie verlangt Weichheit in extremer Höhe und zuweilen gab es leichte Intonationstrübungen. Jedoch fiel das nicht ins Gewicht, da die vier Stimmen eine Einheit bildeten.


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Mainzer Rheinzeitung (6.10.2006)

Freude und Freiheit

Zwei Chöre mit Beethovens Neunter im Schloss

(…) Die Konzertchöre „Cantare Mainz“ und „voces cantantes“ hatten diese Sinfonie bereits vor zwei Jahren aufgeführt und nun für ein Konzert im Kurfürstlichen Schloss mit ihrem Leiter Alexander J. Süß wieder neu einstudiert.
Mit den Prager Philharmonikern wurden sie dazu jetzt von einem Orchester begleitet, dem die Spielfreude anzumerken war. Ohne großes Pathos ging das Ensemble die Sinfonie an. Nie wurde die Musik zu feierlich bombastisch, sondern blieb stets pulsierend und fließend. Das kam den fugenartigen Passagen zu Gute, die immer durchhörbar waren. Vor allem die Holzbläser kosteten die lyrischen Momente aus, wobei sie den wiegenden Charakter der Musik herausstellten. Die Spannung steigerte sich dadurch immer weiter, so dass der Einsatz des Chores auch der tatsächliche Höhepunkt der Aufführung war.(...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (23.5.2006)

Wahres Feuerwerk als Herausforderung

Joseph Haydns "Jahreszeiten" in St. Johannis

(...) Für die Chöre cantare mainz, voces cantantes und die Mainzer Singakademie sowie das Mainzer Oratorienorchester unter der Leitung von Alexander J. Süß ist dies eine Herausforderung im positiven Sinne. Dass sie diese auf hohem Niveau meistern konnten, davon konnte man sich in St. Johannis überzeugen.(...)
Die Musiker meistern die Aufgabe, die den Musikern nicht nur technisches Können, sondern auch eine große Portion Ausdauer abverlangt, sehr gut. Mit viel Schwung und Begeisterung singen die Chöre Passagen wie den Gewitterchor überzeugend. ... Im fulminanten Finale geraten die Chöre fast an ihre Grenzen - bei einem fast dreistündigen Werk ist das aber auch mehr als verständlich.
Besonderes Lob verdienen die drei Gesangssolisten für ihre beeindruckende Leistung. Der Sopran von Ina Stachelhaus klingt zu Beginn in den Höhen noch etwas angestrengt, kann im Verlauf des Konzerts aber durch schöne Phrasierungen punkten. Auch der Tenor Axel Mendrok zieht sehr hörenswerte dynamische Bögen, die sich mühelos über dem Orchester platzieren können. Besonders hervorzuheben ist aber Christof Fischesser, dessen Bass vom ersten Ton an mit Raum füllendem Fundament und spannender Dynamik überzeugen kann.
Auch das Orchester leistet Respektables, spielt mit großer Musikalität gegen die druckvollen Chöre an. Einziger Schwachpunkt sind die Streicher, deren Intonation und Zusammenspiel hin und wieder ein wenig unsauber ist. Der Dirigent Alexander Süß hat diese kleinen Schwächen aber problemlos im Griff, motiviert die Sänger und Instrumentalisten zu immer neuen Scheitelpunkten. Der Lohn sind nicht enden wollende stehende Ovationen für eine insgesamt äußerst hörenswerte Aufführung.


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Mainzer Rheinzeitung (7.4.2006)

Bach wirkungsvoll phrasiert

"Voces Cantantes" führen unter Alexander J. Süß die Johannespassion auf

(...) Gerade dadurch, dass man sich jedes Jahr eine beliebige Abzahl an Aufführungen anhören kann, stellt sich jeder Chor dem unbarmherzigen Vergleich. So auch die "Voces Cantantes", die nun gemeinsam mit dem Mainzer Oratorienorchester unter der Leitung von Alexander J. Süß in St. Stephan auftraten. Besonders spannend daran war, dass der Konzertchor bewusst klein gehalten und mit gerade einmal 21 Sängerinnen und Sängern auftrat. Denn im Gegensatz zu früherer Praxis bekommt man in der heutigen Zeit dieses Werk sonst vor allem in deutlich üppigerer Besetzung geboten.
Die hier gehörte Variante besaß den Charme, dass dynamische Abstufungen und rhythmische Besonderheiten deutlich flexibler gehandhabt werden konnten. Besonders effektvoll ließ sich das im Chor "Lasset uns den nicht zerteilen" beobachten. Hier ließ Alexander J. Süß das Tempo gegen Ende merklich anziehen, um den Satz schließlich in voller Fahrt abzustoppen. Ein undenkbares Unterfangen bei einer singenden Hundertschaft.
Auch an anderen Stellen erwies sich die Entscheidung als durchaus glücklich. Schon der Anfangschor "Herr, unser Herrscher" gelang überaus prägnant und kraftvoll. Spätere Einwürfe überzeugten immer durch klare Abgrenzungen und scharfe Formulierungen. Die Choräle wurden dafür sehr weich gesungen und meist mit wirkungsreichen Phrasierungen versehen. (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (5.4.2006)

Vorausahnung auf Ostern

Bachs Johannes-Passion in St. Stephan/Kleines Ensemble überrascht

Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach wurde jetzt in St.Stephan unter Alexander J. Süß aufgeführt. Ausführende waren voces cantantes und Mitglieder des Mainzer Oratorienorchesters.

(...) Mit seinem relativ kleinen Chor, den voces cantantes, und Mitgliedern des Mainzer Oratorienorchesters nähert sich Alexander J. Süß Bach´schen Verhältnissen, musste dieser sich in Leipzig doch mit einem relativ schmalen Ensemble begnügen.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Es herrscht Klarheit und die formale Anlage bleibt gut erkennbar. Der Dirigent atmet mit dieser Musik, lässt den Musizierenden einen gewissen Spielraum und die einzelnen Instrumente zu ihrem Recht gelangen. Zuweilen überlistet er die diffizile Akustik, indem die Anschlüsse gleichsam ineinander übergehen, ohne verwischt zu werden. Immer wieder überraschen innere Aufschwünge, zuweilen gedämpfter Nachklang und kleine Atempausen.(...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (8.3.2006)

Singakademie ohne Chor

Mozart zum Auftakt der Jubiläumskonzerte mit dem Oratorienorchester

(...) Im Gonsenheimer "Rheinhessendom" rahmte das Mainzer Oratorienorchester die Motette "Exsultate, jubilate" mit den g-Moll-Sinfonien ein. Ein recht interessanter Vergleich, stehen doch die beiden formal recht ähnlichen Sinfonien für ganz unterschiedliche Schaffensperioden. (...)
Dem Orchester gelangen unter dem großformatigen aber immer detailliert anweisendem Dirigat von Alexander J. Süß - trotz allgegenwärtiger Probleme mit der halligen Akustik von St. Stephan - differenzierte dynamische und rhythmische Schwerpunktsetzungen (...)
Zupackend geriet ... der vielgehörte Kopfsatz der Sinfonie Nr. 40. Mit präziser und nie zu überschwänglich geratender Interpretation bescherte das Mainzer Oratorienorchester seinem Publikum einen Eindruck voll pointiert nachgezeichneter Kontraste und Entfaltungs-Bögen. (...)
Den Solopart im "Exsultate jubilate" hatte die Sopranistin Ina Stachelhaus übernommen. Eine vor allem in den mittleren Lagen souverän ausgesungene klangliche Ausgestaltung gefiel ebenso wie das deklamatorisch gut gelungene Rezitativ. Lediglich in den Höhen konnte sie zwischendrin eine gewisse Schärfe nicht abmildern. In diesem Werk bewies das Orchester (...) ausgesprochen reife Begleiterqualitäten, ohne allzu dezent im Hintergrund zu verharren.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (13.12.2005)

Begeisterung im Kirchenraum

Bachs Weihnachtsoratorium in St. Stephan/
Ensemble von Dirigent Alexander J. Süß beeindruckt

Mit einem Jubelchor beginnt das Werk. Bachs Weihnachtsoratorium in St. Stephan. Trompeten - Symbol göttlicher Herrlichkeit - geben das Gepräge und die Pauke sorgt für das rhythmische Gerüst. Alexander J. Süß hat sein Ensemble - cantare mainz, voces cantantes, die Mainzer Singakademie und das Mainzer Oratorienorchester - fest in der Hand und erfüllt das Werk mit echter Freude. Die prekäre Akustik des hohen Kirchenraumes bewältigt er beispielhaft. Was ihm bewundernswert gelingt, sind die Choräle, Pfeiler des Ganzen, die das Gesagte vertiefen. Besonders evident wird das bei dem Choral "Wie soll ich dich empfangen", der wie ein hermeneutischer Schlüssel wirkt, mit dessen Hilfe sich das Werk vor uns auftut. Die Melodie, Paul Gerhardts Passionslied "O Haupt voll Blut und Wunden", enthält Deutung und Erinnerung an die Menschwerdung, die mit der Geburt beginnt und sich in der Passion vollendet.

Der Dirigent gibt jedem Choral ein ganz eigenes Bild, etwa durch Dynamik oder wenn er die inneren Linien herausholt und den Satz in intensives Leuchten taucht. Wie einst Bach selbst nimmt er lebhafte Tempi und achtet auf die "Klangrede".

Besonderen Zauber atmet die Sinfonia, die den 2. Teil eröffnet. Bach hat diese Hirtenmusik wundervoll instrumentiert. Die Bläser bringen eine ganz eigene Farbigkeit und die Musik verläuft ruhig schwingend. Alexander J. Süß schattiert und geht liebevoll mit dem Satz um. Vier Solisten fügen sich dem Stil gut ein. Guido Jentjens singt seine Basspartie kraftvoll, etwa die berühmte Arie "Großer Herr und starker König", die wie ein Hymnus wirkt, aber auch die Rezitative haben Gewicht. Albertus Engelbrecht ist ein eher lyrischer Evangelist, er erzählt fast objektiv, später steigert er sich, wenn sein weicher Tenor zu leuchten beginnt. Silvia Späth singt die schöne Arie "Schlafe, mein Liebster" hingebungsvoll, wobei die Flöte die himmlische Welt darstellt oder die Arie "Schließe mein Herze", wo das Violinsolo wundervoll zart die Melodie umspielt.

Ina Stachelhaus erfüllt die Worte des Engels mit Sopranglanz und ist im Zwiegesang mit dem Bass eine gleich gestimmte Partnerin. Wenn nach dem Choral "Seid froh dieweil" auf den Anfang zurückgeblendet wird, Trompeten und Pauke machtvoll ertönen, gibt es im dicht besetzten Kirchenraum große Begeisterung.


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Mainzer Rheinzeitung (13.12.2005)

Selbstbewusste Bach-Interpretation

Alexander J. Süß dirigiert Weihnachtsoratorium

Drei Chöre, vier Solisten, ein Orchester - das muss reichen für die drei ersten Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Und wie: Die Mainzer Chöre "cantare mainz", "voces cantantes" und die Singakademie füllten nicht nur den voll besetzten Kirchenraum von St. Stephan mit ihrem Gesang, sondern präsentierten unter der Leitung von Alexander J. Süß auch eine rundum gelungene Aufführung des Werkes.

An der Menge der Mitwirkenden lag das jedoch nicht, vielmehr an einer differenziert angelegten Interpretation, die weder starr noch zu frei ausfiel. Das ist nicht selbstverständlich bei einem Stück, das alle Jahre wieder in der Weihnachtszeit erklingt ... und dabei meist auf geschulte Zuhörerohren trifft. Wer kennt ihn nicht, den Choral "Vom Himmel hoch, da komm ich her"? Wem hat nicht schon einmal die Alt-Arie "Bereite dich Zion" einen Ohrwurm bereitet? (...)

Schwungvoll bis zurückhaltend begleitet vom Mainzer Oratorienorchester, dessen Trompeten und Oboen besonders hervorstachen, gelang es den Sängern, spannungsreich zu musizieren. Im zwölften Choral der zweiten Kantate etwa, als nach einem starken Crescendo und einer deutlichen Zäsur der Chor in geheimnisvollem Pianissimo zu "Und letztlich Frieden bringen" einsetzte, bewies Süß eine selbstbewusste Auseinandersetzung mit dem Werk, zeigte der Chor seine ganze gesangliche Qualität...

Die Solisten beeindruckten nicht minder: Getragen und mit weichem Timbre intonierte der Tenor Albertus Engelbrecht seine Passagen, sang wie Bass Guido Jentjens die komplizierten Koloraturen in seiner Arie präzise und zugleich befreit. Sopranistin Ina Stachelhaus strahlte im herrlichen Duett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen" mit Bass Jentjens in das Kirchenschiff...

"Jauchzet, frohlocket" ertönte es zum Schluss des Oratoriums, den Anfangschor aufnehmend. Viele Besucher werden es genau so empfunden haben.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (22.11.2005)

Mozart auf gekräuselten Wellen

(...) Alexander J. Süß entschied sich für die von Robert D. Levin ergänzte Fassung, die er jetzt in St. Stephan zur Erstaufführung im Rhein-Main-Gebiet brachte. Mit der Mainzer Singakademie, den beiden Chören cantare mainz und voces cantantes gelang ihm eine beeindruckende Interpretation. (...)
Süß hat das Ensemble fest im Griff. Zuweilen gibt es dramatische Akzentuierungen, die auf Kommendes hinweisen, sogar auf Beethoven. Schon der verhaltene Beginn des Kyrie nimmt gefangen, ein Bittgebet, das sich steigert. Im Gloria, das voller Jubel einsetzt, dringen zuweilen Schatten in die Helle des Chorsatzes. Das Qui tollis gerät zum Höhepunkt - eindringlich gestaltet, wirkt es wie Schritte, die sich am Ende verlangsamen.
Der homogene Chorklang trägt choralhafte Züge, während das Orchester Akzente setzt. Auffallend die chromatischen Elemente, die Farbe einbringen. Besonders eindrucksvoll das lyrisch-cantable Et incarnatus est, von Ina Stachelhaus (Sopran) hingebungsvoll gesungen. Im Zwiegespräch mit der Oboe gleitet die Gesangslinie wie ein Nachen durch gekräuselte Wellen. Faszinierend das Benedictus für Soloquartett, wunderbar fließend, ernst und heiter zugleich. Zuweilen sind Reminiszenzen eingewoben, etwa an die Gräfin-Arie im "Figaro" oder die großen Intervalle der Donna Anna im "Don Giovanni".
Die chorischen Partien entbehren in der Kleingliedrigkeit nicht erheblicher Schwierigkeiten, die aber gut bewältigt werden. René Schüttengruber (Sopran) bewährt sich im Laudamus te mit vokaler Leichtigkeit. Der Tenor Axel Mendrok zeigt schönes Spinnen der Töne und Jan Buchwald (Bass) gibt das wohlklingende Fundament.


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Mainzer Rheinzeitung (26.11.2005)

Levins Version begeisterte

(...) Unter ihrem neuen künstlerischen Leiter Alexander J. Süß schafften es die Chöre, die Messe, die auf einer Ebene mit Bachs h-Moll-Messe und der Missa solemnis von Beethoven rangiert, eine beeindruckende Interpretation des Mozartschen Werks.
Die Singakademie sowie die beiden Chöre entschieden sich für die von Robert D. Levin ergänzte Version, die „möglichst nahe an erkennbaren Ideen Mozarts" das Fragment zur vollständigen Messe ergänzt. Für die Rhein-Main-Region war dies eine Erstaufführung und stimmte gelungen auf das Mozartjahr 2006 ein. Die Ergänzung, die in Zusammenarbeit mit der Bachakademie Stuttgart entstand, löste bereits bei ihrer Uraufführung in der Carnegie-Hall ein ungeteilt positives Echo aus.
Die Besetzung in St. Stephan war ungewöhnlich, doch Süß führte sein Ensemble mit sicherer Hand durch alle Fährnisse des Werks des berühmten Salzburgers. Der Chor wurde achtstimmig geführt. Die Chorsätze selbst verweisen auf Mozarts gründliche Studien der Werke Bachs und Händels, auch italienische Einflüsse sind zu bemerken. Verhalten beginnt das Kyrie, steigert sich, ein Bittgebet eben. Jubel dann beim Gloria. Höhepunkt ist das eindringliche Qui tollis. Schwierig sind die chorischen Partien, doch in St. Stephan nimmt man auch diese Hürde: Rene Schüttengruber (Sopran) bringt das Laudamus te mit bewegender Leichtigkeit. Auch Tenor Axel Mundrok weiß stimmlich zu gefallen, während Jan Buchwald (Bass) mit seinen tiefen Tönen einen samten-dunklen Teppich legte. (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (24.5.2005)

Flöte malt sanft die Nachtigallentöne

Haydns "Schöpfung" in St. Johannis

Haydns "Schöpfung" atmet Weisheit, Reife und jugendliche Frische. Immer wieder ist man beeindruckt von der Weite der inneren Welt und bezaubert von der Fülle der musikalischen Inspiration. Die Interpretation dieses Werkes, das Haydns wunderbar naiven Glauben spiegelt, stellt an einen jungen Dirigentenm hohe Anforderungen, ist doch die Musik wie ein Medium, in dem sich Göttliches ausdrückt. Alexander J. Süß hat ein großes Ensemble aufgeboten. Cantare Mainz, voces cantantes, die Mainzer Singakademie und das Mainzer Oratorienorchester werden zu einer Einheit verschmolzen.
Der Beginn ist konzentriert in leuchtender Dynamik, und der Dirigent weiß die Spannung zu halten, bleibt der Spiritus Rektor, die innere Begeisterung zeigt sich im Schwung seiner Bewegungen. Chor und Orchester musizieren mit großem Enthusiasmus, es wird gut artikuliert, etwa bei der faszinierenden Lautmalerei, wenn die Tiere plastisch charakterisiert werden - das Urerlebnis des Tieres - und wenn die Flöte die Nachtigallentöne malt.
Bei den Solisten gibt es gute, ja hervorragende Leistungen. Johannes Martin Kränzle (Raphael) strahlt Ruhe aus. Die Stimme Gottes gestaltet er zurückhaltend. Mit lyrischer Emphase gelingen die in Arioso ausgeweiteten Rezitative. In Erinnerung bleiben "Schwarm und Wirbel" der Insekten und das am "Boden kriechende Gewürm".
Carsten Süß ist ein vollendeter Uriel. Seinen weich timbrierten Tenor vermag er kraftvoll zu entfalten. Er "erzählt" spannend, nie theatralisch, weiß aber auch Stimmung zu zaubern, so wenn der Mond "mit sanftem Schimmer durch die stille Nacht schleicht". Seine faszinierenden Crescendi sind erfühlt.
Ina Stachelhaus ist ein leicht zur Koketterie neigender Gabriel. Die Frische des Singens nimmt gefangen, aber in extremer Höhe spürt man die Anstrangung. Als Eva zeigt Renee Schüttengruber Weichheit und ein vogelleichte Höhe. Als Adam unterstreicht Thomas De Vries eindrucksvoll, dass er stark und liebevoll geleitet. Die Stimme klingt kräftig-herb und ist biegsam. Dass das neue Menschenpaar flirtet, wirkt glaubwürdig in dem, was es singt. (...)


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Mainzer Rheinzeitung (25.5.2005)

Donnerhall der Naturgewalten

Dirigent Süß musiziert Haydns Schöpfung mit großem Chor in St. Johannis

MAINZ. Schon der Anfang sagt alles: Gedehnt breitet sich das Chaos vor dem Beginn der Schöpfung Gottes aus, alles ist voller Anspanung und Instabilitäten - fast so, als würde das Kommende schon als Ahnung im Raum schweben. Daraus entwickelt Alexander J. Süß mit dem Mainzer Oratorienorchester und dem großen, aus den Voces Cantantes, Cantare Mainz und der Mainzer Singakademie zusammengestelltem Chor in der Johanniskirche ein große Erzählung der Haydnschen Schöpfung. Und er besteht damit problemlos auch die kurzzeitige Konkurrenz mit der "echten" Natur.
Der prasselnde Regen, der passgenau mitten im Chaos einsetzt, fügt sich aufs Beste in das realistische Tongemälde der Aufführung. So geht es dann auch annährend zwei Stunden weiter: Süß zelebriert mit seinen Musikern ein lebendiges Erzählen, das nie nur ein berichtendes, sondern immer ein darstellendes Mitteilen ist. Die reiche Bildlichkeit der Musik - die Haydn wahrlich nicht zu knapp ausgenutzt hat - reizt er voll aus. Gerade im zweiten Teil, der stellenweise zum klingenden Naturführer durch das menschenleere Paradies wird, gelingt ihm eine wunderbar demonstrative Musik. Und die zeigt alles, was sie im Text mitteilt, auch in ihren Tönen.
Mit großem Kraftaufwand peitscht Süß seine Sänger und Instrumentalisten immer weiter auf. Und das ist spürbar, setzt große Energien frei, treibt Chor und Orchester bis in ihre Grenzregionen.
(...)Rhetorisch agiert der Dirigent in seiner musikalischen Erzählung sehr geschickt: Er verstärkt die Kontraste und findet dennoch immer wieder den nötigen Zusammenhalt. Das erreicht er vor allem durch sein zügiges Grundtempo, durch den immer präsenten Drive der Musik. Er kennt nur eine Richtung: Immer nach vorne, die Schöpfung entwickelt sich und wird immer differenzierter.
Dabei kann er sich auf sein kompetentes Solistenteam voll verlassen: Mit Carsten Süß und Johannes Martin Kränzle hat er zwei souveräne Männer dabei. Und auch die weiblichen Stimmen stehen da nicht zurück. Zwar werden sie nur selten von genialer Inspiration übermannt, aber auch so bieten Ina Stachelhaus und Renee Schüttengruber eine beeindruckende Vorstellung. (...)


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Mainzer Allgemeine Zeitung (7.12.2004)

Töne aus dem Nichts

Alexander J. Süß dirigiert Händels "Messias"

Den Dirigenten vor den Mitwirkenden - Cantare Mainz, Voces Cantantes und Mainzer Oratorienorchester - zu nennen, hat seinen guten Grund. Alexander J. Süß arbeitet mit Chor und Orchester seit längerer Zeit, und durch die Kontinuität ist eine künstlerische Steigerung spürbar. Das wurde deutlich bei der einleitenden Sinfonia: gut durchgehört, ebenmäßig und zart schwingend. Die leicht dunkle Tönung wirkt wie ein adventliches Warten auf den Erlöser. Das Orchester hat er zu intensivem Musizieren gebracht, zum Aufeinanderhören. Bewundernswert das leise Ausklingenlassen bei den Finali. Das Orchester ist zum Instrument in seiner Hand geworden. Und der Chor hat an Substanz und Schattierungsfähigkeit gewonnen. Die innere Lebendigkeit des Dirigenten überträgt sich spontan, ja zuweilen gewinnt man den Eindruck, als spräche er jeden Einzelnen persönlich an.
Er atmet mit Sängern und Instrumentalisten, ja seine Bewegungen entfalten sich aus dem Fluß der Musik. Das berühmte Halleluja weiß er dynamisch gut zu staffeln.(...)
Carsten Süß gestaltet das Tenor-Arioso "Tröste dich, mein Volk" in faszinierender Weise und ist seiner Partie ein glänzender Interpret. Weich setzt er ein, fast aus dem Nichts und formt die Töne aus völliger Ruhe heraus. Steigerungen gelingen ohne Pathos. Guido Jentjens verfügt über einen kraftvollen Bass. Bei seiner letzten Arie "Sie schallt, die Posaun" ist es neben den schier unerschöpflichen Stimm-Mitteln auch die Freude am Singen, die sich auf den Hörer überträgt. (...) Alexander Süß zeigte sich auch als einfühlsamer Begleiter. Er lässt motivisch wichtige Nebenstimmen hervortreten, schafft feine Überleitungen, modelliert die Töne und gewinnt den Kampf mit der prekären Akustik von St. Stephan bravourös.


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Mainzer Allgemeine Zeitung (5.10.2004)

"(...) Für das Werk nimmt er sich so die Zeit, die er braucht - Sir Roger Norrington beispielsweise braucht für Beethovens Neunte gerade mal eine gute Stunde... Das Fortissimo zu Beginn des zweiten Satzes transportiert ... den nötigen Elan, um das klangliche Perpetuum Mobile voranzutreiben. Bemerkenswert hierbei die exakt und pointiert spielenden Holzbläser...

Glanzpunkte ... setzt der bedeutende Schlusssatz. Die Gesangssolisten Alexandra Reinprecht (Sopran) und Magnus Baldvinsson (Bass) können mit strahlenden Stimmen gesanglich voll überzeugen, während Silvia Späth (Mezzosopran) und Michael König (Tenor) leichte Durchsetzungsprobleme haben.

Die Konzertchöre "Cantare Mainz" und "Voces Cantantes" leisten sehr gute Arbeit, beeindrucken durch fein intonierte und strahlende Frauenstimmen. Höhepunkt und krönender Abschluss des Abends ist die Doppelfuge ..."


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Mainzer Rheinzeitung (8.10.2004)

"(...)Auf einmal wurde sehr ordentlich und spannend musiziert. Die Chöre bewältigten die nicht gerade leichte Partie sehr souverän und blieben, trotz der großen Zahl der Sänger, erstaunlich flexibel. Und das ordentliche Solistenquartett mit einem phänomenal stimmgewaltigen Magnus Baldvinsson als Bass tat ein übriges, dass es ... zum Schluß ... gewaltigen Beifall gab."


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Mainzer Allgemeine Zeitung (11.12.2003)

Festlicher Ton, farbige Gestaltung

"...Die "voces cantantes" und "Cantare Mainz" brachten jetzt mit dem Mainzer Oratorienorchester unter Leitung von Alexander J. Süß die ersten drei Kantaten in der - randvollen - Münchfelder Kirche St. Johann Evangelist zu Gehör. Der Chor agierte von Anfang an sicher zupackend, souverän, ohne stimmliche oder intonatorische Schwächen. Höhepunkte waren delikate Vorhalte, so in "Wie soll ich dich empfangen"; fugierend bewegt das "Lasset uns gehen". Den gleichen korrekten festlichen Ton wie die Sänger traf auch das Orchester mt edlen Blechbläsern und mitreißend exakten Pauken - dies Niveau konnten Chor und Orchester bis zum Ende halten...
Unter den Solisten stach besonders Tenor Carsten Süß hervor... Makellos und wohldosiert sein großes Rezitativ "Und sie kamen eilend"... Süß hat einen eigenwilligen Zugriff riskiert, aber eine farbige, dramatisch aufgeladene Gestaltung erreicht. Schlüssiges Musterbeispiel war der packende Schlusschoral."


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Mainzer Allgemeine Zeitung (8.4.2003)

Voces Cantantes

Johannes-Passion

"Es gibt Tausende von Passionen, die nie jemand vertonen wird. Im Gedenken daran widmen wir diese Aufführung allen Opfern des Krieges": Diese prägnanten Worte des Dirigenten Alexander J. Süß schienen die Sängerinnen und Sänger befeuert zu haben. Der Eröffnungschor "Herr, unser Herrscher" schreckte mit wahrlich egreifender Intensität auf, nagelte die Zuhörer auf die Kirchenbänke: Die Aufführung von Bachs "Johannes-Passion" durch die voces cantantes und Cantare Mainz mit dem bestens begleitenden Mainzer Oratorienorchester in der Christuskirche war ein spirituelles Erlebnis.
Altistin Silvia Späth konnte in dramatisch gesteigerter Höhe mehr überzeugen als in der etwas vibratolastigen Mittellage, Birgit Ensminger-Busse (Sopran) agierte solide - sehr schön "Zerfließe mein Herze". Thomas Mehnert (Bass) war ein packender Jesus: Manchmal etwas dumpf, manchmal etwas zu grollend. Christoph Sökler begeisterte als dramatischer Pilatus und gestaltete mit erfreulicher Souverenität die Bass-Arien; spannend manche Interaktion mit dem Chor.
Glanzpunkt des Abends war Carsten Süß. Er bewältigte nicht nur bravourös mit klarer, feiner, nüchtern kultivierter Gestaltung die forderende Evangelisten-Partie, sondern zudem die vielen, nicht minder anspruchsvollen Tenor-Arien.... Und für Süß schien die dramatische Gestaltung des Chores vor Textverständlichkeit zu gehen. Dafür wurde er mit teils betörenden Chorergebnissen belohnt..."


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Mainzer Allgemeine Zeitung (3.12.2002)

Weihnachtsoratorium in St. Johannes Evangelist

"(...) Süß und das Mainzer Oratorienorchester stellten die prächtige und virtuose Seite des Werkes heraus: Schon der Eingangschor mit dem allseits bekannten "Jauchzet, frohlocket" legte Zeugnis davon ab. Souverän führte Süß Chor und Orchester, mit flotten Tempi und wohlgesetzten Akzenten. Der gut vorbereitete Chor - voces cantantes und cantare mainz - unterstützten den Jubel...
Differenziert wurden die Choräle gestaltet: Süß tauchte sie zuweilen in ein romantisches Licht und erzielte durch seine Fermatenbehandlung überraschende Klangwirkungen. So wurde der erste Choral des Oratoriums, "Wie soll ich dich empfangen", zu einem musikalischen Ereignis. ...
Die Partie des Evangelisten wurde von dem Tenor Carsten Süß gesungen. Er gestaltete seine Rolle jedoch nicht als unbeteiligter Zeuge ("testo"), sondern als ein innerlich Beteiligter. Auch wenn man diesen dramatischen Gestus bei einem Barock-Oratorium skeptisch beurteilen mag, überzeugte Süß durch seine Ausdruckskraft: Das Bibelwort, das ihm anvertraut war, verhallte nicht ungehört. Auch die schwierigen Tenor-Arien des Weihnachtsoratoriums bewältigte er souverän. Unter den Solisten ist die Altistin Silvia Späth hervorzuheben... Schlicht, aber innig trug Späth ihre Rezitative und Arien vor und wurde damit dem Affektgehalt der Musik und des Textes gerecht. (...)"


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Mainzer Rhein Zeitung (3.12.2002)

Wenn nicht nur die Trompete strahlt

Cantare Mainz: Bachs Weihnachtsoratorium

"(...)Am ersten Advent luden sie gleich zu zwei Konzerten ein: Nachmittags führten sie die ersten drei Kantaten des Oratoriums auf, die seltener zu hörenden Kantaten boten ihre interessanten kompositorischen Finessen am Abend. In der vierten Kantate hat Bach zum Beispiel dem Sopran an einer Stelle einen Echo-Sopran an die Seite gestellt - und damit eine derart beliebte Arie geschaffen, dass dieses Stück oft auch in Aufführungen der ersten drei Kantaten eingefügt wird.
Gun-Brit Barkmin (Sopran) bewältigte die "Echo"-Arie wie auch ihre gesamte Partie mit gewaltigem Stimmvolumen. Höhepunkt der fünften Kantate wurde das Solistenterzett: Nur von einer Solovioline und Cello begleitet, brillierten neben Barkmin Silvia Späth (Alt) und Carsten Süß (Tenor). Ebenso harmonisch war das sehr kurze, aber ausdrucksstarken vorgetragene Quartett der sechsten Kantate, bei dem die drei Sänger durch den Bass von Hans-Otto Weiß ergänzte wurden.

(... )Durchgehend glänzend präsentierte sich ... Carsten Süß als Evangelist. ... Die Pianostellen des Chors wurden ausdrucksvoller, dem Sopran gelangen auch die höchsten Passagen, Chor, Orchester und Solisten fügten sich ... zu einheitlichen Klang.
So erstrahlte der letzte Choral nicht nur wegen der glanzvollen Trompete..."


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Stolberger Nachrichten (10.12.2002)

Hochkarätige Aufführung schwungvoll dirigiert

Weihnachtsoratorium von Joh. Sebastian Bach begeisterte in St. Lucia

"(...)Das Weihnachtsoratorium von Joh. Sebastian Bach begeisterte sie Zuhörer in der Pfarrkirche St. Lucia. Die Mainzer Chöre "cantare mainz" und "voces cantantes", das Mainzer Oratorienorchester und die Solisten machten die Aufführung zum Erlebnis.

(...) Mit dem gewaltigen Chor "Jauchzet frohlocket! Auf preiset die Tage" schaffte es der Chor, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Allgemein ist zu sagen, dass die Chorsätze das Beste an der gesamten hochkarätigen Aufführung waren. Modern und schwungvoll dirigierte Alexander J. Süß das Werk, und sowohl Chor als auch Orchester übernahmen präzise und gekonnt die gebotenen Hilfen. Allenfalls die Sinfonia, die die zweite Kantate eröffnete, war etwas langsam, fast schwerfällig und ließ die engelsgleiche, sphärische Leichtigkeit vermissen. Dazu passte auch die viel zu dramatische Sopranstimme von Gun-Brit Barkmin, der man den Engel, der den Hirten die Frohe Botschaft bringt, nicht so recht abnahm.
Im späteren Verlauf des Konzertes steigerte sie sich jedoch sehr, und die Arie "Nur ein Wink von seinen Händen" in der Schlusskantate wurde zum Ohrenschmaus.
Ludwig Wolfrum zeigte in den tiefen Passagen seines Parts ein wenig Volumen (...). Die Koloraturen in seinen Arien waren dagegen sehr glanzvoll und leicht, ließen eine bewegliche und nuancenreiche Stimme erkennen. Die besten Solisten waren die beiden Mittelstimmen. Silvia Späth hat eine warme, weiche Stimme, die prädestiniert scheint für die Rolle der Maria. Dass sie sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe überzeugend ist, bewies sie in ihren Arien mehr als einmal.
Den schwierigsten Part hatte der Tenor Carsten Süß zu bewältigen. Die vielen Rezitative, die er als Evangelist zu singen hat, sind ermüdend und musikalisch scheinbar anspruchslos. In Wirklichkeit erkennt man in ihnen den wahren Könner.
Genauso faszinierend waren seine Arien. Hier besonders "Frohe Hirten, eilt, ach eilet", bei der auch das wunderschön gespielte Flötensolo bestach. Überhaupt waren die Soloinstrumente sehr überzeugend..."


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Stolberger Zeitung (10.12.2002)

Berühmtes Werk und starke Künstler

Bachs "Weihnachtsoratorium" in St. Lucia

"Die Sänger der renommierten Mainzer Chorgemeinschaft "cantare mainz" und "voces cantantes" verstanden es, die ganze Breite ihres stimmlichen Vermögens darzubieten. Dazu kam das Mainzer Oratorienorchester, ebenfalls unter der Leitung von Alexander J. Süß... Es meisterte mit Bravour die vielschichtigen Sätze Bachs und entfaltete einen runden und festlichen barocken Klang. Die Solisten Gun-Brit Barkmin (Sopran), Silvia Späth (Alt), Carsten Süß (Tenor) sowie der kurzfristig eingesprungene Ludwig Wolfrum (Bariton) wurden ihren Anforderungen ... gerecht (...)
Trompetenklänge und Paukenschläge eröffneten die erste Kantate. Die Menschheit empfängt die freudige Nachricht von der Menschwerdung Gottes und bricht darüber in Jubel aus, steigert sich mit ihren Lobgesängen in einen barocken Klangrausch. Diese Stimmung wirkt nach in der Bassarie «Großer Herr und starker König» - hier zeigte sich erstmals die voluminöse Baritonstimme von Ludwig Wolfrum. In die Pracht hinein mischen sich aber auch subtilere Töne. «Wie soll ich dich empfangen?» wird beziehungsvoll angestimmt auf die Choralmelodie «O Haupt voll Blut und Wunden». ... Ergreifend die Stimmungsmalerei des Chors «Wir singen dir in deinem Heer» auf die Choralmelodie «Vom Himmel hoch», instrumental durchsetzt von Teilen der einleitenden Sinfonia, die das Orchester sehr getragen interpretierte. In dieser zweiten Kantate sang Silvia Späth mit ihrer warmen Altstimme eines der schönsten mütterlichen Wiegenlieder aller Zeiten, die Arie «Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh». In der dritten Kantate, die Szene an der Krippe mit Christus als Erlöser der Menschheit, überrascht der Chor «Lasset uns nun gehen nach Bethlehem» mit seinem bewegten Orchesterspiel. (...) Den musikalischen Höhepunkt bildete die Sopran-Arie «Flößt, mein Heiland», die Gun-Brit Barkmin mit ihrer dramatischen Stimme auch in den hohen Lagen intonierte. (...) Gleich einem Opernfinale endete mit dem 64. Satz, dem Choral « . . . bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht» ein Highlight im Stolberger Kulturprogramm, für das sich das Publikum mit langem Applaus bedankte."


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Mainzer Rheinzeitung (6.12.2001)

Weihnachtsoratorium in der Christuskirche

"(...) Nach zwei einstimmenden A-cappella-Werken der Voces Cantantes unter der Leitung von Jörg Dieter Süß eröffnete festlicher polyphoner Glanz mit seinem Sohn Alexander am Dirigentenpult das Weihnachtsoratorium. Mächtig und kraftvoll setzte der Chor ein ...
(...) Mit Carsten Süß (Tenor) war dabei gleich das dritte Familienmitglied vertreten, und er führte als Evangelist mit seinem sonoren Timbre hervorragend durch das Geschehen.
... Prächtig harmonierten Ina Stachelhaus (Sopran) und Hans-Otto Weiß (Bass) - etwa in dem zarten Duett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen" aus der dritten Kantate.
Und wenn sich das Oratorienorchester nicht gegen die Wucht des Chores behaupten musste, gelang auch ihm wie in der sinfonischen Einleitung der zweiten Kantate eine eindrucksvolle Leistung.(...)"


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.12.2001)

Begeisterter Chorjubel

"(...) Bei der Schütz-Motette "Also hat Gott die Welt geliebt" und William Byrds starkem "Haec dies" sammelten sich die Stimmen der im Halbrund stehenden Sängerinnen und Sänger schön in der Mitte. Klar und kräftig traten die Frauen hervor. Leiter Jörg Dieter Süß (...) gab es damit eine feine Probe seines großen und bewährten Könnens.
Umfangreicher das ebenso gründliche, impulsive Dirigat seines Sohnes Alexander J. Süß, seit 1999 Musikalischer Leiter der "Jungen Oper" Dresden: In der Christuskirche übernahm er die ersten drei Kantaten aus Bachs "Weihnachtsoratorium", das er mit dem vollen Klangkörper des Oratorienorchesters Mainz zu einer schönen, geschlossenen Aufführung brachte. Der berühmte Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" wurde, den vorweihnachtlich gestimmten Abend abrundend, am Ende des dritten Teils wiederholt.
Hans-Otto Weiß füllte Rezitative und Arien mit einem guten, nachdrücklichen Bass; Carsten Süß war ein ausdrucksstarker Evangelist. Das solistische Hauptgewicht lag auf der Altistin Silvia Späth, die ... die Arie "Schließe, mein Herz" eindrucksvoll gestaltete (Solo-Violine: Alfred Helm).
Ein Höhepunkt war auch das von Bass und Sopran gestaltete Duett "Herr, dein Mitleid", worin über klaren Oboen Ina Stachelhaus mir ihrer samtweichen und würdigen Stimme glänzte."


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Mainzer Rheinzeitung (6.11.2001)

Donizetti Requiem in der Christuskirche

"Einen interessanten Griff in die Nischenkiste des Konzert-Repertoires hat Jörg Dieter Süß getan: Unter seiner Leitung erklang in der Christuskirche die "Messa di Requiem" von ... Gaetano Donizetti. (...)
Bei der Aufführung der Cantorei und des Oratorienorchesters der Christuskirche gemeinsam mit den Voces Cantantes kostete Jörg Dieter Süß die Vorzüge des Werkes genüsslich aus: Donizetti scheint bei der Entstehung einen guten Bass im Auge gehabt zu haben, dem er zahlreiche schwelgerische Kantilenen zugedachte. Hans-Otto Weiß wurde diesem umfangreichen Anspruch über weite Strecken gut gerecht und bildete zusammen mit Ulrich Zehfuß (Bariton) und dem vor allem im "lngemisco" gewohnt klangschön auftrumpfenden Tenor Carsten Süß ein gutes und homogenes Männerterzett, das im "Tuba mirum" gemeinsam zum Einsatz kam.
Silvia Späth (Mezzosopran) und Heike Wiechmann (Alt) komplettierten die ausgeglichene Solistenriege, die Chöre zeigten sich ... gut präpariert. (...)"


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Mainzer Allgemeine Zeitung (6.11.2001)

Donizetti Requiem unter Jörg-Dieter Süß

"Da hat Jörg Dieter Süß einen Schatz ans Licht gehoben! (...) Diese kaum opernhafte, liturgisch ansprechende "Messa di Requiem" mit instrumentaler Einleitung ist in 16 Teile gegliedert, worunter sich so unorthodoxe Textvertonungen wie "Judex ergo", "Praeces meae" und "0ro supplex" finden. Die Aufführung in der Christuskirche gipfelte aussichtsfroh im "Libera me", das einen Anklang an sinfonische Finalsätze hat. Melodisch kühn klangen das dem Chor anvertraute "Dies irae" und die wilden Gesangslinien des "Lacrimosa". Die Kantorei der Christuskirche und die Voces Cantantes, toll in den Oberstimmen, nahmen für sich ein. Fließend wandelte die Bitte um Erlösung im "In memoria" durch die Stimmen; das "Confutatis" wogte aufgewühlt. Die drei männlichen Gesangssolisten Carsten Süß (Tenor), Hans-Otto Weiß (Bass) und Ulrich Zehfuß (Bariton) brachten ein gutes, ruhig komponiertes "Tuba mirum" dar. Der volle, gesetzte Bass glänzte solistisch im "Oro supplex", dann im "Offertio". Uberzeugend waren auch der Mezzosopran von Silvia Späth im "Rex tremendae" und Heike Wiechmann (Alt) im stimmlich so kraftvollen wie ausgewogenen Trio mit Bass und Tenor. Carsten Süß hinterließ angesichts seines Volumens und seiner Ausdruckskraft vielleicht den größten Eindruck. Das reich mit Bläsern ausgestattete, gut unterstützende Oratorienorchester der Christuskirche konturierte wachsam den Aufbau des Werks."


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Mainzer Allgemeine Zeitung (13.3.2001)

Großes Passionsdrama

Christuskirche: Carl Heinrich Grauns "Der Tod Jesu" unter Alexander J. Süß

(...) "Unter der Leitung von Alexander J. Süß führten die "Voces Cantantes" sowie Kantorei und Oratorienorchester der Christuskirche das Graunsche Werk klangverliebt als groß angelegtes Passionsdrama auf. Hierbei wurde der Hauptakzent auf die tonale Fülle der Musik gelegt (...)
Die Solisten bereicherten den Abend ..., allen voran Jessica Glatte (Sopran), die ... ihren Part mit einer leuchtend leichten Stimme bewältigte. (...)
Das Orchester spielte über weite Strecken homogen; nur gelegentliche Unsicherheiten waren hörbar, wobei es Alexander J. Süß verstand, dies mit einem engagierten Dirigat stets rasch auszugleichen."


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Mainzer Rheinzeitung (13.3.2001)

Neue Generation

Alexander Süß dirigiert in der Christuskirche

"Eine Gleichung mit mehreren Unbekannten ist meistens schwer zu lösen, doch genau dieser Herausforderung stellten sich Voces Cantantes und Cantorei der Christuskirche mit der Aufführung einer selten zu hörenden Passionsvertonung. (...)
Die Aufgabe war also spannend, und bereits bevor der erste Ton erklang, präsentierte sich dem Publikum die zweite Unbekannte. Am Pult erschien nicht Jörg Dieter Süß, sondern dessen Sohn Alexander Süß.
Der junge Mann ist zwar kein Unbekannter, stand er in zahlreichen Aufführungen der Voces in den eigenen Reihen oder als erstklassiger Solist im Vordergrund, doch scheint der Generationenwechsel beim Dirigat manchen der Zuhörer im Publikum überrascht zu haben.
Wer hier noch zweifelte, wurde eines Besseren belehrt. Mit energischen Bewegungen trieb der junge Süß Chor und Orchester zu ungewohnter Tiefe und Ausdruckskraft. Energisch und mit viel Mut für dynamische Nuancen ließ der Klangkörper die Leidensgeschichte wie ein imaginäres Bild entstehen. Die Musik lieferte die Farben dazu.
Das kraftvolle Rot der gefühlsgeladenen Chorpassagen mischte sich mit dem tiefen Schwarz der rezitativen Elemente, in denen sich die Handlung weiterspann. Die Sängerinnen Jessica Glatte, Sopran, und Silvia Späth, Alt, zeigten hier eindrucksvoll, dass sie sich mit der Farbpalette auskannten. Das wunderschöne Duett "Feinde, die ihr mich betrübt" überstahlte das Leid des gekreuzigten Jesu und räumte dem Prinzip Hoffnung seinen rechtmäßigen Platz ein.
"Es hat überwunden der Löwe vom Stamm Juda" hieß es schließlich am Ende des Konzertes in der Christuskirche - und die Gleichung, oder besser das Gleichnis, war gelöst - trotz oder gerade wegen der vielen Unbekannten."


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